Interview für die Bachelorarbeit

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Die Bachelorarbeit ist meist die erste größere Arbeit, die man alleine umsetzt und für die wissenschaftliches Arbeiten notwendig ist. Man kann sich sein eigenes Forschungsfeld suchen und dieses untersuchen. Oft benötigt man dazu Daten, die man erst einmal erheben muss. Dabei stellt sich zunächst die Frage der Methode: Soll man quantitativ oder qualitativ forschen? Dafür eignet sich ein Interview für die Bachelorarbeit hervorragend.  Und wenn man sich für die qualitative Methode entschieden hat: Welchen Typ Interview soll man anwenden?


Gerade wenn es sich um ein Gebiet handelt, über das noch recht wenig bekannt ist oder wenn neue Aspekte entdeckt werden sollen, eignen sich qualitative Methoden. Sie haben einen wesentlich offeneren (Forschungs)Blick auf das Feld als die standardisierte quantitative Verfahren (Siehe dazu z.B. diese Übersicht der Universität Bielefeld).

Eine bewährte qualitative Methode ist das Interview. Dabei gibt es nicht „‚das qualitative Interview‘ […], sondern unterschiedliche Formen von Interviews, mit denen unterschiedliche inhaltliche Forschungsinteressen verbunden werden.“ (Helfferich 2011, S. 9). Hier stellen wir drei qualitative Interviewmethoden vor – das narrative Interview, das problemzentrierte Interview und das Experteninterview – und erläutern ihre Einsatzgebiet.

Offenes Interview für die Bachelorarbeit

Das narrative Interview ist die freiste Interviewform, da der Hauptteil aus einer „Stegreif“-Erzählung des Befragten besteht. Er hat das alleinige Rederecht, der Interviewer übernimmt die Rolle des Zuhörers. Durch die große Offenheit räumt man Relevanzen und Deutungen des Erzählers Platz ein und minimiert die Einflussnahme des Interviewers (vgl. Baur und Blasius 2014, S. 575).

Das narrative Interview hat der deutsche Soziologn Fritz Schütze in den 1970er Jahren entwickelt und setzte es vor allem in der Biografieforschung ein. Das narrative Interview eignet sich aber generell dazu Handlungsprozesse zu erheben, an denen der Befragte selbst beteiligt war.

Um das Interview für die Bachelorarbeit zu starten beginnt man mit einer Erzählaufforderung durch den Interviewer. Wichtig ist dabei, zwar das Thema zu nennen (beispielsweise die Lebensgeschichte), aber keinerlei Einschränkungen innerhalb dessen zu machen. Der Befragte soll so frei und unvoreingenommen wie möglich erzählen. Im besten Falle folgt auf die Aufforderung eine ausführliche Erzählung durch den Befragten. Der Interviewer hält sich dabei vollkommen zurück und macht sich lediglich Notizen. Beispielweise zu besonders stark betonten Aspekte der Erzählung, es können aber auch Fragen auftauchen.

Hat der Interviewte seine Erzählung vollständig beendet, kann man in der Nachfragephase zusätzlich Fragen stellen. Das Interview endet mit der Bilanzierungsphase, in der sich die Beteiligten über die Interviewsituation austauschen können.

Interview für die Bachelorarbeit: Stärker fokussiert

Beim problemzentrierten Interview in einer Bachelorarbeit fragt man ein bestimmtes Problem bzw. Thema ab. Ähnlich wie beim klassischen narrativen Interview geht es dabei um die subjektive Sichtweise und die Erfahrungen des Befragten. Jedoch hat der Interviewer die Möglichkeit im Laufe der Erzählung Fragen zu stellen und zurück auf das Thema zu lenken, wenn der Befragte abschweift. So kann man eine stärkere Strukturierung erzeugen (vgl. Kurz et al 2009, S. 465). Aus diesem Grund eignet sich das problemzentrierte Interview „besonders gut für Vorstudien, die sowohl einen Hypothesen generierenden als auch -prüfenden Charakter haben.“ (Kurz et al 2009, S. 465).

Das Vorgehen

Auch das problemzentrierte Interview startet mit einer Eröffnungsfrage. Diese sollte sowohl erzählgenerierend sein als auch klar das Problem bzw. Thema vermitteln, um das es gehen soll. Dann beginnt die Hauptphase, in der der Befragte zunächst frei über das Problem bzw. Thema spricht. Der Interviewer kann im Laufe der Erzählung Fragen stellen, die entweder näher auf einzelne Aspekte eingehen oder zum Problem/Thema zurückführen, wenn der Befragte in seinen Ausführungen abschweift. Sollten am Ende des Gesprächs noch Fragen offen sein, kann der Interviewer diese am Ende des Hauptgesprächs stellen.

Weiteres „Zubehör“

Fragen können sowohl während der Erzählphase auftauchen als auch aus dem Leitfaden stammen, den man für das Gespräch anfertigen sollte. Der Leitfaden ist eines von vier Instrumenten, die das problemzentrierte Interview für die Bachelorarbeit unterstützen und dient dem Forscher als inhaltliche Stütze und Hintergrundkontrolle (vgl. Helfferich 2011, S. 36). Außerdem gehört ein Kurzfragebogen zum Konzept, anhand dessen man die Sozialdaten (Alter, Beruf usw.) erfassen kann. Für die Dokumentation und die spätere Audio-Transkription sollte man das Gespräch mit einem Aufnahmegerät aufzeichnen. Außerdem sollte der Forscher direkt nach dem Gespräch ein Postskript verfassen, in dem er prägnante Aspekte des Gesprächs, wie z. B. markante Themen und nonverbale Besonderheiten, aufzeichnet. So wird die Transkription des Interviews im Anschluss deutlich vereinfacht.

Interview für die Bachelorarbeit – Fachwissen gewinnen

Experteninterviews in Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten eignen sich oft gut zum Einstieg in ein Themengebiet, wenn kaum Informationen darüber durch eine Literaturrecherche vorliegen. Denn das Experteninterview „ermöglicht […] eine konkurrenzlos dichte Datengewinnung gegenüber der […] weit aufwändigeren teilnehmenden Beobachtung, Feldstudie, einer systematischen quantitativen Studie usw.“ (Bogner et al 2002, S. 7). Es kann aber auch sinnvoll sein, wenn der Zugang zum Feld schwierig oder unmöglich ist (vgl. ebenda). Beim Experteninterview spricht der Interviewer mit einer Person, die er als Experte auf dem Gebiet einstuft, das Gegenstand der Untersuchung ist.

Ran ans Fachgebiet

Zunächst gilt es, sich genau mit dem Gebiet des Experten vertraut zu machen. Dazu gehört es auch Fachbegriffe zu kennen und über Sachverhalte aufgeklärt zu sein. Dann kann man das konkrete Forschungsinteresse herausarbeiten und einen Interview-Leitfaden erstellen. Dieser dient während des Gesprächs als Wegweiser, um nicht vom eigentlichen Forschungsthema abzukommen. Der Leitfaden sollte aber trotzdem so offen gestaltet sein, dass er den Erzählungen des Experten Raum lässt.
Bei der vorherigen Interview-Absprache geht es darum, möglichst klar zu kommunizieren, warum und wie man das Interview führen möchte und welche Themen behandelt werden sollen. Der Experte sollte auch über den Ablauf des Interviews möglichst offen informiert werden, z.B. über die angedachte Gesprächsdauer und die Dokumentation des Gesprächs.

Das Vorgehen

Eröffnet wird das Experteninterview ebenfalls mit einer erzählgenerierenden Einstiegsfrage, an die sich die Haupterzählphase des Befragten anschließt. Danach kann der Interviewer Nachfragen oder noch offene Fragen aus dem Leitfaden stellen.
Zur Auswertung werden systematische Verfahren der Inhaltsanalyse angewendet. Dabei geht es darum, den Inhalt möglichst sachlich zu analysieren und im Vergleich mit anderen Expertentexten Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten.

Qualitative Interviews sind eine gute Möglichkeit, um zu Beginn der Forschungsphase mehr über ein Feld zu erfahren oder neue Aspekte zu erschließen. Durch ihre Offenheit und Anpassungsfähigkeit lassen sie viel Raum für vielfältige Informationen und neue Erkenntnisse. 
Egal für welche qualitative Interviewform man sich entscheidet, wichtig ist eine gute Vorbereitung, die professionelle Durchführung und eine gründliche Auswertung, z.B. durch eine gute Transkription der Interviews oder eine computergestützte Datenanalyse. So erhält man valide Daten als Forschungsgrundlage für die Bachelorarbeit. Eine Methode, die so nützlich und wichtig ist, dass man sie auch in der Dissertation noch anwenden kann. 

Literatur

Baur, Nina/Blasius, Jörg (2014): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung, Wiesbaden.

Bogner, Alexander/Littig, Beate/Menz, Wolfgang (2002): Das Experteninterview – Theorie, Methoden, Anwendung, Opladen.

Kurz, Andrea/Stockhammer, Constanze/Fuchs, Susanne/Meinhard, Dieter (2009): Qualitative Marktforschung: Konzepte – Methoden – Analysen, 2. Auflage, Wiesbaden.

Helfferich, Cornelia (2011): Die Qualität qualitativer Daten, Wiesbaden.

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