Eine Umfrage durchführen im Rahmen der Bachelorarbeit

Inhalt

Eine eigene Umfrage als empirische Studie durchzuführen ist die Königsdisziplin des wissenschaftlichen Arbeitens. Sowohl in der quantitativen als auch in der qualitativen Sozialforschung ist die Befragung nach wie vor die häufigste Erhebungsform (vgl. Baur/Blasius 2014, S. 54). Dabei wird eine bestimmte Anzahl Menschen zu einem oder mehreren Themenfeldern befragt. Eine Umfrage liefert – wenn sie gut geplant und sorgfältig durchgeführt wird – zuverlässige wissenschaftliche Ergebnisse.

Die Vorbereitung für eine Umfrage in der Bachelorarbeit

Bevor man som richtig loslegt, sollte man ein sich einen (Zeit-)Plan machen, was alles zu tun ist, in welcher Reihenfolge das geschehen muss und wie man alles organisieren kann. Folgende Punkte müssen gleich am Anfang beachtet werden:

Thema festlegen

Zunächst einmal gilt es zu klären, zu welchem Thema die Umfrage durchgeführt werden soll. Bei wissenschaftlichen Arbeiten – z. B. bei einer Bachelorarbeit – steht eine Forschungsfrage im Raum, von der Hypothesen abgeleitet wurden, die überprüft werden sollen. Diese dienen als Leitlinie für die Ausrichtung der Fragen der Umfrage.

Literaturrecherche

Ist das Thema klar, sollte man recherchieren, welche Veröffentlichungen es bereits dazu gibt. Die Literaturrecherche ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung, um sich einen Überblick über das gewählte Forschungsfeld zu verschaffen. Außerdem lassen sich dabei eventuelle Forschungslücken entdecken, die man mit einer Umfrage schließen kann.

Theorierahmen abstecken

Auch der theoretische Rahmen der Forschung sollte klar festgelegt werden. Dazu können einer oder mehrere Theorieansätze ausgewählt werden. Je nachdem für welche man sich entscheidet, legen sie einen weiteren Grundstein für die Ausrichtung der Fragen.

Stichprobe festlegen

Oft ist es aus zeitlichen und finanziellen Mitteln nicht möglich, die ganze Grundgesamtheit, beispielsweise alle Wahlberechtigten in Deutschland, zu einem Thema zu befragen. Um eine Totalerhebung zu umgehen, aber trotzdem ein repräsentatives Ergebnis zu erzielen, gibt es die Stichprobenziehung. Man befragt also lediglich einen Teil der Grundgesamtheit, dieser sollte aber diese möglichst gut abbilden, sodass sich Rückschlüsse auf alle ziehen lassen. Für die Ziehung der Stichprobe gibt es verschiedene Varianten.

Zum einen gibt es die Zufallsstichprobe, bei der der gewünschte Stichprobenumfang rein zufällig aus der Grundgesamtheit gezogen wird und jeder potentiell Befragte die gleiche Wahrscheinlichkeit hat in die Stichprobe zu gelangen.
Zum anderen kann die nicht-zufallsgesteuerte Stichprobenziehung angewendet werden. Sie kommt zum Einsatz, wenn das Forschungsfeld schwer zugänglich ist und die Grundgesamtheit nicht genau bekannt ist. Hier kann eine willkürliche Auswahl, zum Beispiel mit dem Schneeball-Prinzip, erfolgen. Man gibt die Fragebögen an jemandem aus dem Feld ab und bittet ihn, diese an weitere aus der zu untersuchenden Gruppe weiterzugeben, die er kennt.

Die deutlich bessere Variante der Auswahlverfahren ist die Zufallsstichprobe (Siehe hierzu eine Übersicht über die Auswahlverfahren der Universität zu Köln). Die Ergebnisse sind wesentlich genauer als die einer nicht-zufallsgesteuerten Auswahl.

Design der Umfrage

Als nächstes muss man klären, wie man die Teilnehmer der Umfrage befragen will. Bei der face-to-face-Befragung wird – wie der Namen schon sagt – von Angesicht zu Angesicht befragt, während die Teilnehmer bei einer Telefon-Umfrage telefonisch kontaktiert werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit der schriftlich-postalen Befragung sowie die einer Onlinebefragung, bei der die Teilnehmer den Fragebogen per Post bzw. per Mail zugeschickt bekommen und ihn zurücksenden sollen. Oft gibt es Faktoren, wie beispielsweise den Umfang der Stichprobe, die ein Design nahelegen. Auch ein “Mixed Mode-Design” aus mehreren der genannten Befragungsarten ist möglich, um zum Beispiel eine hohe Verweigerungsrate zu verhindern (vgl. Blasius/Reuband 1996). Manchmal bieten die Hochschulen zudem eine Hilfestellung an (Vgl. das ITS-Handbuch der Universität Kassel).

Der Fragebogen einer Umfrage für die Bachelorarbeit

Sind der Rahmen und die Designfragen geklärt, geht es an die Erstellung des Fragenbogens. Es gibt verschiedene Arten von Fragen, die man nutzen kann, und die je nach Forschungsschwerpunkt zum Einsatz kommen. Auch die Überprüfung, ob der erarbeitete Fragebogen für die gewünschten Daten im Feld funktioniert, ist wichtig.

Offene oder geschlossene Fragen

Während es beim qualitativen Interview lediglich offene Fragen ohne Antwortvorgaben gibt, die den Befragten möglichst zum eigenen Erzählen anregen soll, sind quantitative Interviews weitaus standardisierter und nutzen geschlossene Fragen, bei denen den Befragten vorgegebene Antworten zum Ankreuzen zur Verfügung stehen (vgl. Raithel 2008, S. 69). Diese sollten sich gegenseitig ausschließen (exklusiv sein) und alle Antworten enthalten (exhaustiv sein), sodass der Befragte “seine” Antwort findet.
Geschlossene Fragen sind auf Grund ihrer Standardisierung wesentlich leichter auszuwerten als offene Fragen, bei denen man den Inhalt mittels qualitativer Analysen auswerten muss.

Meinungs- oder Faktfragen

Welche Art der Fragen gestellt werden hängt vom Forschungsinteresse ab. Mit Meinungsfragen werden die Einstellungen zu bestimmten Themen abgefragt. Faktfragen beziehen sich auf das Verhalten und die Eigenschaften der Teilnehmer. In vielen meinungsdominierten Fragebögen sind durchaus aber auch Faktfragen in Form von soziodemografischen Fragen zu Beginn oder Ende des Fragebogens zu finden.

Der Pretest

Bevor es ins Feld geht, sollte der fertige Fragenbogen getestet werden. Als Probanden eignen sich am besten Personen, die den tatsächlichen Befragten möglichst ähnlich sind. Auch die Bedingungen sollten so wie bei der geplanten Erhebung sein. So kann ein sogenannten Pretest Konstruktionsfehler aufdecken. Beispielsweise, ob sich Kategorien überschneiden oder zu wenig Bearbeitungszeit zur Verfügung steht, aber auch, ob es Verständnisprobleme bei Fragen oder Antworten gibt. Diese können dann für die „echte“ Erhebung noch angepasst und ausgebessert werden.

Die Feldphase der Umfrage

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen und der Fragebogen getestet ist es soweit: Es geht an die eigentliche Befragung. Dabei gilt es, sich genau an die vorher festgelegten Parameter der Durchführung zu halten. So kann man die wissenschaftliche Arbeit in den Befragungen gewährleisten und Daten generieren, die dann in der Analyse zu qualitativ hochwertigen Ergebnissen führen.

Die Datenerfassung, -aufbereitung und –analyse

Die ausgefüllten Fragebögen liegen vor, doch um Ergebnisse präsentieren zu können, fehlen noch einige Schritte. Zurück am Schreibtisch gilt es zunächst die Daten systematisch zu erfassen. Dazu gibt es – gerade für quantitative Daten – zahlreiche Softwares, wie beispielsweise STATA oder SPSS, in die die Daten eingepflegt werden können. Außerdem bieten die Programme die Möglichkeit die Daten aufzubereiten, um beispielsweise inkonsistente Antworten auszusortieren oder ungültige Angaben zu bereinigen. Für die anschließende Analyse kann man die vorliegenden Ergebnisse mit wenigen Klicks kombinieren und in Relation setzen. Die meisten Tools bieten darüber hinaus auch anschauliche Darstellungsformen, wie Grafiken und Tabellen oder Diagramme, für die Präsentation der Ergebnisse an.

Die Befragung ist die beliebteste Form der Erhebung in der Sozialforschung. Eine gute Vorbereitung legt den Grundstein für die Erstellung einer Umfrage. Dazu gehört die Themenfindung, eine gründliche Literaturrecherche, das Festlegen des Theorierahmens, der Stichprobe, des Auswahlverfahrens sowie des Erhebungsdesigns.
Bei der Erstellung des Fragebogens gibt es verschiedene Arten die Teilnehmer zu befragen. Je nach Forschungsinteresse kann auf diese zurückgegriffen werden. Nach der Erstellung sollte man einen Pretest durchführen, um zu testen, ob das erarbeitete Konzept funktioniert oder ob man es möglicherweise noch anpassen muss.

Um möglichst zuverlässige wissenschaftliche Daten zu generieren, gilt es sich in der Feldphase an die vorher festgelegten Richtlinien zu halten und die Erhebung professionell durchzuführen. Zur anschließenden Datenerfassung und Datenaufbereitung gibt es verschiedene Programme, die die Arbeit erleichtern und oftmals auch für die Analyse und die Präsentation der Ergebnisse Lösungen anbieten.

Literatur

Baur, Nina/Blasius, Jörg (2014): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung, Wiesbaden.

Blasius, Jörg/Reuband, Karl-Heinz (1996): Face-to-face, telefonische und postalische Befragungen: Ausschöpfungsquoten und Antwortmuster in einer Großstadt-Studie, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 296-318.

Raithel, Jürgen (2008): Quantitative Forschung: Ein Praxiskurs, Wiesbaden.

Die folgenden Artikel könnten ebenfalls interessieren
Autor:
Blogverzeichnis - Bloggerei.de