Eine Problemstellung und Forschungsfrage für die Bachelorarbeit finden

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Wer nach einer Antwort sucht, muss zuerst die Frage finden. In einem wissenschaftlichen Text wie der Bachelorarbeit sollte unmissverständlich klar sein, worum es geht. Und das bevor, und nicht nachdem man ihn geschrieben hat. Eine Forschungsfrage für die Bachelorarbeit und Problemstellung zu finden ist deshalb das erste, was auf der To-do-Liste für die Bachelorarbeit steht. Doch was im ersten Moment nicht besonders kompliziert klingt, erfordert höchste Sorgfalt und Konzentration. Weil die konkrete Fragestellung für die Bachelorarbeit ihr Dreh- und Angelpunkt ist und ihren gesamten Aufbau bestimmt, sollte bei ihrer Findung nichts schiefgehen. Was man unbedingt beachten sollte, verraten die folgenden Tipps.

Forschungsfrage für die Bachelorarbeit nach persönlichem Interesse

Gern wird vergessen, dass eine Bachelorarbeit Spaß machen kann. Damit dies der Fall ist, sollte die eigene Forschungsfrage für die Bachelorarbeit nicht gähnend langweilig sein, sondern bestenfalls den eigenen Interessen entsprechen. Denn wer der Antwort auf seine Fragestellung tatsächlich auf die Spur kommen will, dem fällt das Forschen wesentlich leichter (siehe dazu auch einen Artikel der Welt-Online). Was einen wirklich interessiert, kann man beim Brainstorming herausfinden. Bevor es schließlich in die Bibliothek zur Literaturrecherche und an die Literaturverwaltung geht, sollte man sich auf vergangene Studiensemester und besuchte Veranstaltungen besinnen. In einer klassischen Mindmap können folgende Fragen – und die Antworten darauf! – gesammelt werden:

  • Habe ich Seminare und Vorlesungen besucht, die ich besonders spannend fand? Um welche Themen ging es dort? Was genau hat mich beschäftigt?
  • Gab es im bisherigen Studium Themenbereiche oder Fragen, die für mich unklar, unschlüssig geblieben sind?
  • Welche Probleme erscheinen mir für mein Fach von wissenschaftlicher Relevanz?
  • In welchen Zusammenhängen wurde vom Professor oder Dozenten ein Forschungsbedarf thematisiert? Woran forschen sie selbst?

(Siehe hierzu auch die Hinweise der Universität Paderborn)

Die so zustande gekommene Mindmap gibt eine zuverlässige Übersicht über die eigenen Interessen. Meist lassen sich zwei bis drei widerkehrende Themen oder bereits konkrete Problemstellungen an ihr ablesen. Welche davon tatsächlich das Zeug zu einer gelungenen Forschungsfrage haben, muss in einem nächsten Schritt geprüft werden. Denn auch die wissenschaftliche Relevanz und die Umsetzbarkeit eines Forschungsvorhabens müssen gegeben sein. Wer bereits beim Brainstorming Probleme und keinen blassen Schimmer von der Bandbreite seiner Möglichkeiten hat, kann sich auch von Studienkollegen inspirieren lassen. In der Bibliothek oder auch im Netz findet man veröffentlichte Abschlussarbeiten von Absolventen. Wer diese durchblättert, verschafft sich einen realistischen Eindruck davon, wie eine Forschungsfrage aussehen kann.

Wissenschaftliche Interessen & Machbarkeit

Wer endlich weiß, was er wissen will, muss als nächstes fragen: Was will die Wissenschaft? Selbst die originellste Forschungsfrage ist erst dann für eine Bachelorarbeit brauchbar, wenn ihre Beantwortung auch einen fachspezifischen Gewinn darstellt. Deshalb muss sichergestellt und nachgewiesen werden, dass die Fragestellung in einem bestimmten Wissenskontext steht und in diesem von wissenschaftlicher Relevanz ist (vgl. Esselborn-Krumbiegel 20014: 22). Die Punkte der folgenden Checkliste sollten unbedingt abgehakt werden können:

  • Zum Themenbereich der Forschungsfrage existiert Sekundärliteratur
  • Die Forschungsfrage für eine Bachelorarbeit weist einen direkten oder indirekten Zusammenhang zu absolvierten Lehrveranstaltungen auf
  • Die ganz spezifische Forschungsfrage wurde nicht bereits an anderer Stelle, also von anderen Wissenschaftlern beantwortet
  • Der Betreuer der Abschlussarbeit hat der Forschungsfrage zugestimmt

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der häufig erst viel zu spät in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt, ist die praktische Umsetzbarkeit eines Forschungsprojektes. Hierbei gilt es, die eigenen Kompetenzen und konkreten Arbeitsbedingungen realistisch einzuschätzen. Der individuelle Wissensstand des Schreibers, die zur Verfügung stehende Zeit und materielle Ressourcen müssen genügen, um die Forschungsfrage für die Bachelorarbeit adäquat zu beantworten. Erst wenn Relevanz und Realisierbarkeit sicher sind, sollte man sich der konkreten Formulierung der Fragestellung widmen.

Formulierung

Die Sprache ist das wichtigste Instrument eines wissenschaftlichen Textes. Eine Tatsache, die sich nicht erst im Zuge des Schreibens, sondern bereits bei der Formulierung der Fragestellung für die Bachelorarbeit bemerkbar macht. Nachdem es bisher darum ging, den Inhalt der Forschungsfrage und Problemstellung zu finden, gilt es jetzt ihn in Worte zu fassen. Ein weit verbreitetes Missverständnis lautet dabei: Je komplizierter ein Satz, desto wissenschaftlicher ist er. Doch das Gegenteil ist der Fall. Eine gute Forschungsfrage für die Bachelorarbeit zeichnet aus, dass sie unmissverständlich, klar und präzise formuliert ist (vgl. Kruse 2014: 29). Um dieses Ziel zu erreichen, können die folgenden Techniken zum Einsatz kommen:

  • Bildung von Kontrastgruppen
  • Variation von Wortwahl und Syntax
  • Versuch, die Frage zu beantworten

Mittels dieser Techniken kann sorgfältig an der Formulierung gefeilt werden. Während Kontrastgruppen verdeutlichen, worum es in der Bachelorarbeit gerade nicht gehen soll, ist das Variieren konkreter Worte experimenteller Art. Um den bestmöglichen und eindeutigsten Wortlaut der Forschungsfrage für die Bachelorarbeit zu finden, lohnt es spielerisch und kreativ zu sein. Der Versuch die Forschungsfrage zu beantworten, ist schließlich der letzte und wichtigste Schritt. Hier zeigt sich, ob die Frage eine Antwort zulässt, oder nicht. Bereits hier macht es Sinn, den ersten Entwurf einer Gliederung zu Papier zu bringen (vgl. Pospiech 2012: 53). Nur wenn dies möglich ist – das heißt, die Beantwortung der Forschungsfrage in bestimmten Arbeitsschritten realistisch erscheint – kann die Forschungsfrage für die Bachelorarbeit endlich an den Start gehen.

Arten von Forschungsfragen

Für jene, die meinen, wissenschaftliches Arbeiten läge Ihnen schlicht und ergreifend nicht im Blut, gibt es übrigens eine gute Nachricht. Forschung ist ein weites Feld. Und auf dem ist viel mehr möglich, als gemeinhin angenommen wird. Wem es schwerfällt, trockene Theorien zu analysieren, kann immer noch ein Ass sein, wenn es ums Experimentieren oder praxisnahe Datenerhebung geht. Im Allgemeinen beziehen sich Forschungsfragen wahlweise auf folgendes:

  • Betrachten von Phänomenen
  • Anwendung von Methoden, anhand derer Erfahrungen bezüglich der Phänomene gemacht werden
  • Analyse von Theorien, mit denen Phänomene erklärt werden
  • Definieren von Grundbegriffen, die Phänomene benennen

Sowohl Theorieinteressierte als auch Praxisorientierte können sich innerhalb dieser Untersuchungsfelder austoben. Dabei werden im theoretischen Bereich beispielsweise fachspezifische Theorien und Begriffe vorgestellt, verglichen, geprüft oder aktualisiert. Im praktischen Bereich steht das Sammeln und Systematisieren vorhandener oder mittels bestimmter Methoden neu generierter Informationen im Fokus der Arbeit (siehe hierzu auch die Hinweise der Georg-August-Universität Göttingen).

Eine passende Forschungsfrage und Problemstellung zu finden ist der erste Arbeitsschritt auf dem Weg zu einer gelungenen Bachelorarbeit. Passend ist eine Forschungsfrage für die Bachelorarbeit dann, wenn nicht nur der betreuende Professor oder Lehrbeauftragte, sondern auch man selbst sich für ihre Beantwortung interessiert. Zudem sollte das Forschungsvorhaben deutlich formulierbar und auch praktisch umsetzbar sein. Sind all diese Bedingungen erfüllt, kann der Startschuss für die Schreibarbeit fallen.

Literatur

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2014): Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben, 4. Aufl., Paderborn.

Kruse, Otto (2014): Lesen und Schreiben, 2. Aufl., Stuttgart.

Pospiech, Ulrike (2012): Wie schreibt man wissenschaftliche Arbeiten?, 2. Aufl., Mannheim.

Weiterführende Literatur:

Chabaani, Mohamed (2014): Die Forschungsfrage in wissenschaftlichen Arbeiten, 1. Aufl. München.

Gertler, Martin (2017): Entwicklung einer Forschungsfrage – Handreichung mit Beispielen aus der Hochschulpraxis, München.

Theisen, Manuel-René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 16. Aufl., München.

Krämer, Walter (2009): Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit?, 3. Aufl., Frankfurt.

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