Warum Ghostwriting bei der Bachelorarbeit gefährlich ist

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Die Bachelorarbeit ist die erste große wissenschaftliche Arbeit, die Studierende schreiben müssen. Es kostet Zeit und Nerven, diese Arbeit zu schreiben. Ghostwriting bei der Bachelorarbeit dürfte also öfter vorkommen, als man denkt. Das ist rechtlich sehr heikel – und auch aus anderen Gründen keine gute Idee.

Warum engagieren Studierende einen Ghostwriter?

Das Studium ist fast abgeschlossen. Nun fehlt nur noch die Bachelorarbeit – und die ist ein ziemlicher Brocken: Viele Studierende haben Angst vor dieser Arbeit. Sie ist die erste große wissenschaftliche Arbeit (Theisen, 2017), die Studierende verfassen müssen. Manchen fällt lediglich das Schreiben schwer. Andere haben Angst, bei dieser Aufgabe zu versagen: Immerhin macht die Bachelorarbeit oft einen Großteil der Abschlussnote aus.

Manche Studierende kommen deshalb auf die Idee, einen Ghostwriter zu engagieren (Siehe dazu die Hinweise der Legal Tribune Online). Diese Dienstleistung klingt zunächst verlockend: Jemand anders nimmt einem die Mühe ab – und schreibt dazu noch eine sehr gute Abschlussarbeit, die man nur noch einreichen muss. Oft ist es nicht einmal Faulheit, sondern Angst vor dem Versagen, die Studierende zu einem Ghostwriter treibt.

Ghostwriting bei der Bachelorarbeit kann heikel und teuer werden

Rechtlich ist es allerdings höchst heikel, sich seine Arbeit schreiben zu lassen. Fast alle Hochschulen verlangen, dass Studierende ihrer Arbeit eine Erklärung beifügen, die sie unterschreiben. Mit dieser Selbstständigkeitserklärung versichern Studierende, dass sie ihre Arbeit selbst verfasst haben.

Das Problem dabei ist natürlich, dass sie diese Arbeit nicht geschrieben haben, dies aber behaupten. Damit begehen sie einen Betrug. Falls Studierende bei diesem Betrug erwischt werden, bedeutet das mindestens das Ende ihrer wissenschaftlichen Karriere. Sie dürfen nicht weiterstudieren, sondern müssen sich ausschreiben/exmatrikulieren.

Oft droht auch eine Geldstrafe, die bis zu 50.000 Euro betragen kann. Was im Einzelnen passiert, wenn Studierende erwischt werden, ist in den jeweiligen Hochschulgesetzen geregelt. Sie sind bundesweit nicht einheitlich. Fest steht aber in jeden Fall: Das wird richtig unangenehm.

Studierende wissen nicht, wie gut ihr Ghostwriter wirklich ist

Auch in anderer Hinsicht ist es keine gute Idee, einen Ghostwriter zu beauftragen, der die Bachelorarbeit schreibt. Studierende wissen nie, wie gut ihr Ghostwriter fachlich tatsächlich ist: Sie müssen sich darauf verlassen, dass er eine gute Arbeit für sie schreibt. Sie können seine Arbeitsweise aber nicht nachprüfen, z.B. indem man schaut, ob er selbst schon eine der Arbeiten, die er anbietet (von Bachelorarbeiten bis zu Dissertationen), überhaupt selbst schon mit Auszeichnung verfasst hat.

Ob der Ghostwriter sauber wissenschaftlich arbeitet und dabei alle Formalien einhält (Pospiech, 2017), wissen Studierende nicht. Oft kennen sie nicht einmal den Namen ihres Ghostwriters.

Erpressbar durch den Ghostwriter

Umgekehrt aber machen Studierende sich erpressbar: Sie haben keine Garantie, dass ihr Ghostwriter später nicht einmal an sie herantritt. Wer Karriere macht, sich seine Abschlüsse wie etwa den B.A. mit der Bachelorarbeit oder den M.A. mit der Masterarbeit erschummelt hat, der ist angreifbar: Womöglich möchte der Ghostwriter dann für sein Schweigen bezahlt werden.

Darüber hinaus kann es noch ganz andere Probleme geben: Einigen Betreuern ist es wichtig, die Studierenden regelmäßig zu sprechen. Wer seine Bachelorarbeit aber nicht selbst schreibt, kommt bei diesen Terminen ins Stolpern: Wie soll er von seinen Fortschritten berichten, wenn er den Inhalt der Arbeit noch nicht kennt?

Auch kritische Nachfragen sind kaum sinnvoll zu beantworten, wenn die Arbeit durch Ghostwriting entsteht. Das gilt auch für mögliche Feedback-Gespräche beim Betreuer nach Abgabe der Arbeit: Immer droht die erkaufte Arbeit aufzufliegen. Das ist nicht nur gefährlich, sondern bedeutet permanenten Stress für die Studierenden.

Die Arbeit könnte bei einer Prüfung als Plagiat auffliegen

Abgesehen von ethischen Aspekten sprechen noch weitere Gründe dagegen, Ghostwriting bei der Bachelorarbeit zu nutzen. Studierende haben keine andere Wahl, als dieser Person blind zu vertrauen. Viele Ghostwriter kennen sich zwar tatsächlich gut in ihrem Fachgebiet aus. Allerdings haben sie bereits eine Fülle wissenschaftlicher Arbeiten geschrieben.

Aus dieser Fülle bedienen sie sich dann manchmal für andere Arbeiten. Einige Ghostwriter kopieren ganz Textblöcke und fügen sie in die neue Arbeit ein. Die Gefahr für Studierende ist groß, dass diese Abschnitte bei einer Plagiatsprüfung der Bachelorarbeit auffliegen. Dann ist nicht nur die Erklärungsnot groß – es drohen auch empfindliche Strafen.

Legale professionelle Hilfe für Studierende

In mehrfacher Hinsicht ist es also klüger, die Arbeit selbst zu schreiben. Studierende müssen diesen Akt nicht alleine meistern: Wenn der Schreibfluss stockt oder sie Probleme haben, mit der Arbeit zu beginnen, dann gibt es viele Hilfen.

Universitäten haben erkannt, dass einige Studierende mit Bachelorarbeiten an ihre Grenzen kommen. Deshalb haben die meisten Hochschulen Schreibberatungen eingerichtet (Siehe z.B. die Schreibberatung der Universität Paderborn). Dort bekommen Studierende Hilfe beim wissenschaftlichen Schreiben (Karmasin, Ribing, 2017).

Besser als Ghostwriting bei der Bachelorarbeit ist eine gründliche Überarbeitung oder Umschreibung – auch von fremder Hand. Eine Bachelorarbeit, die voller Rechtschreibfehler ist, macht beim Prüfer keinen guten Eindruck. Das gilt auch für schwammige Formulierungen. Als Helfer eignen sich beispielsweise Freunde und Kommilitonen. Viele Hochschulen empfehlen den Studierenden ausdrücklich, die Arbeit zum Gegenlesen zu geben (z.B. die Tipps der Ludwig-Maximilians-Universität München). Zudem kann es auch sinnvoll sein, den Text in ein professionelles wissenschaftliches Lektorat für eine Bachelorarbeit zu geben (Englert, 2013).

Im Gegensatz zum Ghostwriting bei der Bachelorarbeit gibt es also auch Hilfe, die legal ist. Das wird daran gemessen, ob jemand anderes in den Inhalt des Textes eingreift. Studierende sollten daher besser in einen guten Lektor als in einen Ghostwriter investieren. Dies bewahrt sie vor rechtlichem Ärger. Außerdem lernen sie aus ihrer Bachelorarbeit für weitere wissenschaftliche Arbeiten.

Darüber hinaus können Studierende sich dann mit einem guten Gefühl an diese Abschlussarbeit erinnern: Sie müssen keine Angst haben, dass irgendwann herauskommt, dass sie diese Arbeit nicht selbst geschrieben haben.

Literatur

Theisen, Manuel René (2017): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor und Masterarbeit, München.

Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer (2017): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten: Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master-, Magister- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen, Stuttgart.

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