Wie schreibt man ein Forschungsdesign?

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Unter einem Forschungsdesign versteht man nicht die moderne Büroeinrichtung eines Professors oder die stylische Aufmachung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung. Was stattdessen damit gemeint ist, wenn der Betreuer die Anfertigung eines Forschungsdesigns verlangt, erklärt dieser Text und gibt hilfreiche Tipps für die Umsetzung.

Was ist ein Forschungsdesign?

Wer seine Bachelorarbeit oder eine andere Abschlussarbeit oder Forschungsarbeit schreibt, wird in manchen Fällen von seinem Betreuer gebeten, im Vorfeld ein Forschungsdesign – auch Research Design, Untersuchungsplan oder Forschungskonzept genannt – bei ihm einzureichen (vgl Hug/Poscheschnik 2015: 70). In anderen Fällen wiederum ist das Forschungsdesign ein zentrales Kapitel der wissenschaftlichen Arbeit selbst und findet sich unter diesem Namen im Inhaltsverzeichnis wieder.

In beiden Fällen beschreibt man dabei die Herangehensweise an die Bearbeitung einer Forschungsfrage und deren konkrete Umsetzung (vgl. Töpfer 2009: 120 sowie Trimmel 2009: 114). Das Vorgehen dazu wird Schritt für Schritt dargestellt, die dafür ausgewählten Methoden und Techniken erklärt. So ist für den Leser nachvollziehbar, wie bestimmte Forschungsdaten entstanden sind und wie man zu den jeweiligen Ergebnissen gekommen ist.

Auch wird im Forschungsdesign begründet, warum man sich für ein spezielles Vorgehen entschieden hat – und auch warum man stattdessen andere Methoden, Untersuchungsgegenstände oder Daten nicht verwendet hat. Durch diese Ausschlusskriterien wird das Thema der Forschung genau eingegrenzt (vgl. Leitfaden der Georg-August-Universität Göttingen).

Das Forschungsdesign und das Exposé sind dabei Synonyme für die gleiche Textsorte (Vgl. die Hinweise der Universität Düsseldorf). Im Allgemeinen verwendet man „Forschungdesign“ aber häufiger in naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Fächern, während man das Wort „Exposé“ häufiger in den Geisteswissenschaften findet.

Ein Forschungsdesign für die Bachelorarbeit schreiben?

Nicht in jedem Studiengang ist bei der Bachelorarbeit ein Forschungsdesign verpflichtend. Häufig wird es aber erwartet, wenn man dafür eine Studie, ein Experiment oder eine Versuchsreihe macht, zum Beispiel in Studienfächern wie den Sozialwissenschaften, der Psychologie, der Medizin oder anderen naturwissenschaftlichen oder technischen Studiengängen.

Bevor man die gesamte Arbeit abgibt, reicht man dafür beim betreuenden Professor einen kürzeren Text über sein Vorgehen ein. So kann er im Vorfeld überprüfen, ob die Forschungsfrage stringent verfolgt werden kann und notwendigen Eingrenzungen getroffen wurden, damit die Bearbeitung des Themas nicht ausufert (vgl. Präsentation an der Universität Siegen).

Für den Betreuer ist dies außerdem eine Möglichkeit, Schwierigkeiten der Forschungsarbeit frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig einzugreifen, falls man sich auf dem falschen Weg befindet, z.B. weil der rote Faden fehlt. Was er genau in einem Forschungsdesign erwartet und welchen Umfang dieses haben sollte, klärt man am besten in einem persönlichen Gespräch mit ihm ab.

Aber auch wenn ein Forschungsdesign nicht von offizieller Seite verlangt wird, kann es für einen selbst hilfreich sein. Denn beim Schreiben setzt man sich strategisch damit auseinander, wie man weiterhin vorgehen will. So macht man sich einen genauen Plan, welche Forschungsschritte aufeinander folgen und wie man diese der Reihe nach am besten umsetzt.

Was sind die zentralen Inhalte?

Im Forschungsdesign werden drei entscheidende Faktoren für die Bearbeitung der Fragestellung beantwortet: Was wird untersucht? Wo wird es untersucht? Wie werden die Untersuchungsdaten erhoben und ausgewertet (vgl. Hug/Poscheschnik 2015: 72)?

Beispiel:

  • Um Herauszufinden, welche Möglichkeiten Studierende nutzen, um die verwendete Literatur für ihre Bachelorarbeit zu verwalten, wurde eine Umfrage mithilfe eines Fragebogens und anschließenden Interviews durchgeführt.

Welchen Untersuchungsgegenstand wählt man?

Wenn man eine Studie durchführt, muss man sich beim Schreiben des Forschungsdesigns die Frage stellen, wie viele Untersuchungsgegenstände man dafür einbinden will und nach welchen Kriterien man diese auswählt. Damit zum Beispiel eine Umfrage repräsentativ ist, muss man dafür eine bestimmte Anzahl an Teilnehmern haben, um eine Stichprobe zu erhalten und allgemeingültige Aussagen zu treffen.

Bei anderen Untersuchungen wiederum ist eine Einzelfallanalyse sinnvoll, zum Beispiel bei der detaillierten Beschreibung eines seltenen Krankheitsverlaufs (vgl. Hug/Poscheschnik 2015: 72). Je nach Umfang der Bachelorarbeit muss man daher eventuell Eingrenzungen vornehmen, zum Beispiel nach Geschlecht, Alter, Wohnort oder Bildungshintergrund der untersuchten Personen.

Beispiel:

  • Als Teilnehmer der Umfrage wurden ehemalige Studierende ausgewählt, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München im Wintersemester 2016/2017 beziehungsweise Sommersemester 2017 ihren Bachelorabschluss gemacht haben.

Wo führt man seine Forschung durch?

Auch der Ort kann für die Ergebnisse der Forschung entscheidend sein und man sollte ihn daher im Forschungsdesign nennen und begründen. Generell unterscheidet man zwischen Laborstudien und Feldstudien. Je nach Forschungsvorhaben haben beide Orte ihre Vor- und Nachteile und müssen entsprechend gegeneinander abgewogen werden.

In einem Labor befindet man sich in einem sterilen Raum. Versuche kann man hier mehrfach hintereinander unter gleichen Bedingungen durchführen beziehungsweise man kann jeweils nur einen bestimmten Faktor abwandeln. Bei der Feldforschung dagegen untersucht man einen Gegenstand in seinem natürlichen Lebensraum. Interviewpartner können sich dann zum Beispiel sicherer fühlen und offener sprechen, wenn man sie in ihrem Zuhause besucht (vgl. Hug/Poscheschnik 2015: 72).

Welche Forschungsmethoden wählt man?

Je nachdem welche Forschungsergebnisse man anstrebt, wählt man entweder quantitative oder qualitative Methoden (vgl. Lueger 2010: 15f). In bestimmten Fällen kann man auch beide Methodenarten kombinieren, zum Beispiel mit einem Fragebogen, der bereits vorgefertigte Antwortmöglichkeiten enthält, aber auch Raum lässt, eigene Antworten zu formulieren.

Außerdem kann man zum einen Zählungen durchführen und aus den dadurch erhobenen Daten Statistiken erstellen, als auch eigenen Beobachtungen der Versuche einfließen lassen. Da jede Forschungsmethode ihre Stärken und Schwächen hat, sollte auch darauf im Forschungsdesign eingegangen werden.

Beispiel:

  • Die Studie ermittelt, wie viel Prozent der befragten Studierenden auf eine spezielle Software zur Literaturverwaltung zurückgreifen. Dazu wurden die Fragebögen entsprechend ausgewertet und in einer Excel-Tabelle verrechnet.
    Da die dabei gewonnen Zahlen allein nicht aussagekräftig genug waren, wurden zusätzlich Interviews durchgeführt, um der Frage nachzugehen, warum sich die Studierenden für ein bestimmtes Verwaltungs-Programm entschieden haben und welchen Mehrwert sie sich davon versprachen. Diese Interviews wurden mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet und erhalten anschließend eine Audio-Transkription.

Wie baut man ein Forschungsdesign für die Bachelorarbeit auf?

Wer für seine Bachelorarbeit einen Untersuchungsplan einreichen muss, sollte dafür sein Forschungsvorhaben kurz und prägnant zusammenfassen. Die Freie Universität Berlin empfiehlt dafür einen Umfang von 3.000 bis 4.000 Zeichen, das entspricht etwa zwei Seiten Text.

In einer Einleitung von wenigen Sätzen kann man zu Beginn die Forschungsfrage formulieren und ihre Relevanz verdeutlichen. Danach folgt ein Überblick über den jeweiligen Forschungsstand, die Verwendung ausgewählter Literatur oder bereits von anderen Wissenschaftlern durchgeführte Studienergebnisse.

Der Hauptteil des Forschungsdesigns beinhaltet einen Arbeitsplan, der erklärt, wie man seine eigenen Forschungsergebnisse gewinnen will. Dieser kann auch mit einem bestimmten zeitlichen Rahmen verbunden sein. An dieser Stelle beschreibt man außerdem, welche Methoden man für sein Vorgehen wählt, welche Daten man verwendet und wie man diese analysiert.

Wie die Bachelorarbeit auch enthält das Forschungsdesign zum Schluss ein Quellen- und Literaturverzeichnis, um im Text verwendete Aussagen entsprechend zu belegen. Zudem sollte man nicht vergessen, das Forschungsdesign wie eine Bachelorarbeit Korrekturlesen zu lassen.

Wer beim betreuenden Professor ein Forschungsdesign einreichen muss, sollte dafür bereits seine Fragestellung klar formuliert haben. Dann kann man darauf aufbauend eine passende Strategie entwickeln, mit welchen Methoden und Techniken man diese bearbeitet. Das Forschungsdesign ist somit ein Zwischenschritt und wichtige Hilfestellung auf dem Weg zur fertigen Bachelorarbeit.

Literatur

Hug, Theo/Poscheschnik, Gerald (2015): Empirisch forschen. Die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium, 2. Aufl. Konstanz/München.

Lueger, Manfred (2010): Interpretative Sozialforschung: Die Methoden, Wien.

Töpfer, Armin (2009): Erfolgreich forschen. Ein Leitfaden für Bachelor-, Master-Studierende und Doktoranden, Berlin/Heidelberg.

Trimmel, Michael (2009): Wissenschaftliches Arbeiten in Psychologie und Medizin, Wien.

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