Tipps und Beispiele zum Hauptteil einer Bachelorarbeit

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Im Hauptteil einer Bachelorarbeit bündelt sich das Wissen. Thesen und Theorien, Fakten und Forschungsergebnisse, Konsequenzen und Konklusionen greifen hier ineinander, um die eigene Forschungsfrage zu beantworten. Doch wie genau funktioniert das? Wer eine schlüssige, stichhaltige, stringente und nachvollziehbare Arbeit aufs Papier bringen will, ist mit den folgenden Hinweisen bestens beraten.

Der Hauptteil einer Bachelorarbeit – was ist das überhaupt?

Der Hauptteil ist im Grunde genommen das Herzstück einer Bachelorarbeit. Mit einem Umfang von rund achtzig Prozent der Gesamtlänge des Textes bildet er ihren mit Abstand komplexesten und weitreichendsten Part.

Während in der Einleitung eine Forschungsfrage formuliert wird, geht es im Fazit bzw. Schlussteil um die Komprimierung und Diskussion der Antwort darauf. Der Hauptteil einer Bachelorarbeit dagegen beinhaltet die gesamte Arbeit dazwischen. Er widmet sich der Präsentation des Forschungsstandes sowie der Forschungsmethoden, -vorgänge und -ergebnisse, die für die Beantwortung der Fragestellung notwendig waren (vgl. Karmasin/Ribing 2017: 91).

Daraus ergibt sich ein Textaufbau, der mit der Vorstellung theoretischer Grundlagen beginnt und anschließend die zum Einsatz gebrachte Methodik erläutert. Erst danach ist der Weg für die Darstellung der wissenschaftlichen Arbeitsprozesse und der aus ihnen hervorgegangenen Resultate geebnet (siehe hierzu den Leitfaden der Technischen Universität Dresden).

Zentrale Qualitätsmerkmale eines gelungenen Hauptteils sind dabei die Schlüssigkeit, Stringenz, Stichhaltigkeit und Nachvollziehbarkeit der Arbeit. Das heißt, sämtliche Kapitel, Unterkapitel und Subkapitel bauen logisch und lösungsorientiert aufeinander auf, sind unverzichtbar und stützen sich auf belegbares sowie reproduzierbares Wissen.

Bestandteile des Hauptteils

Der einleitende Theorieteil kann dem Hauptteil einer Bachelorarbeit vorangestellt oder aber in Form seines ersten Kapitels mit ihm verknüpft werden. Entscheidend hierfür sind die jeweiligen Erfordernisse der studierten Fachrichtung oder der Forschungsfrage. Ziel des Theorieteils ist es, durch Literaturrecherche und das Studium der Sekundärliteratur angeeignetes Wissen zu Theorien, Konzepten oder Begriffen zu vermitteln. Diese müssen relevant für die Beantwortung der Forschungsfrage sein (vgl. Bänsch/Alewell 2013: 82).

Im nächsten Schritt gibt der methodische Teil des Hauptteils Auskunft darüber, welche wissenschaftlichen Techniken zur Ergebnisfindung gewählt wurden. Auch hier entscheiden Studiengang und Forschungsfrage, ob beispielsweise eine empirische Datenerhebung, ein theoretischer Vergleich oder eine Prüfung bestehender Forschungsstände dienlich ist (vgl. Bänsch/Alewell 2013: 83).

Schließlich erfolgt die Präsentation der Argumentation und der Arbeitsergebnisse (siehe hierzu die Hinweise der Hochschule Trier). Unabhängig von der Art des Forschungsgegenstandes gilt es hier, diesen zu beobachten, zu analysieren und das daraus entstandene Material zu interpretieren. Die Präsentation der Inhalte wird außerdem durch das Erstellen von Grafiken und Tabellen unterstützt.

Hier ein paar Beispiele, welche wissenschaftliches Techniken gewählt werden können:

Empirische Untersuchung

Bezieht die Beantwortung der Forschungsfrage das Material aus einer empirischen Untersuchung, so erhebt man eigene Daten und führt Studien durch. Hierbei sind Fragen zu klären und theoriegeleitete Entscheidungen zu treffen. Ausgangspunkt sind dabei „praktische Problembereiche, die erklärt werden sollen“ (Raab et al. 2009, S. 4).

Das Thema gibt vor, ob sich hierbei quantitative oder qualitative Untersuchungsmethoden anbieten, eventuell führt auch eine Mischung aus beidem zum Ziel. Ein Leitfaden der Universität Wien beschreibt die verschiedenen empirischen Methoden. Demnach wäre eine qualitative Forschung in der Politikwissenschaft beispielsweise die Befragung eines politischen Entscheidungsträgers. Demgegenüber stellt Wahlforschung eine quantitative Untersuchung dar.

Quelleninterpretation

Eine Quelleninterpretation nutzt man, um die Quellen zum Thema der Bachelorarbeit auszuwerten und zur Beantwortung der Forschungsfrage zu interpretieren. Solche Informationen, die im Bezug zur Forschungsfrage stehen, können mit entsprechenden Parallelquellen und Forschungsliteratur, z.B. Bücher, Abschlussarbeiten, Zeitungsartikeln oder Archivmaterial abgeglichen und ausgewertet werden .

Unterschieden wird dabei zwischen Quellen bzw. Primär- und Sekundärliteratur und Literatur. Ein Beispiel: Wenn man über Maria Montessoris „Über die Bildung des Menschen“ schreiben will, dann ist dieses Werk eine Quelle bzw. Primärliteratur, hingegen gelten Texte über dieses Buch als Sekundärliteratur (vgl. Franck 2011, S. 66).

So wird durch die Quelleninterpretation sichergestellt, dass die Bachelorthesis wissenschaftlich fundiert ist. Dabei sind umfassende Kenntnisse über die vorhandene Quellenbasis und eine korrekte Literaturrecherche wichtig, um die Forschungsfrage fundiert beantworten zu können. Die relevantesten Informationen werden ausgewertet. Anschließend werden Thesen kritisch diskutiert.

Eine gute Anlaufstelle, um sich einen Überblick über wissenschaftliche Literatur zu schaffen ist Google Scholar. Diese spezielle Suchmaschine filtert nach den eingegebenen Suchkriterien relevante Bücher und andere Schriften.

Experiment

Manchmal bietet das Thema der Bachelorthesis es auch an, ein Experiment durchzuführen. Dabei wird vorher bestimmt, durch welches Verfahren dazu Daten erhoben werden. Außerdem werden die abhängige oder unabhängige Variable und die Messoperationen definiert. Bei der anschließenden Datenerhebung werden die Messungen vorgenommen und die zuvor definierten Indikatoren in ihrem jeweiligen Ausprägungsgrad erfasst.

Die Auswertung der durch das Experiment erhaltenen Daten kann über statistische Verfahren erfolgen. Dabei müssen mögliche Störeinflüsse beachtet werden. Die Erkenntnisse werden abschließend auf das theoretische Modell bezogen und entsprechend interpretiert. Das Experiment bietet sich vor allem in Naturwissenschaften an.

Praktische Schreibtipps

Forschen und Schreiben sind zwei Paar Schuhe, gehören aber notwendigerweise zusammen. Wer die erarbeiteten Inhalte und die Fülle der Forschungsergebnisse wissenschaftlich wertvoll zu Papier bringt, kann für seine Arbeit mit Bestnoten rechnen. Die folgenden Tipps verraten, was es dabei zu beachten gilt.

Fester Zeitrahmen

Während Wissen unbegrenzt ist, ist es eine Bachelorarbeit nicht. Obwohl im Zuge des Forschens das eigene Thema häufig zunehmend komplex oder unerschöpflich erscheint, muss die Arbeit irgendwann fertig werden. Damit dieses Ziel erreicht wird, ist es sinnvoll, einem festen Zeitplan zu folgen. Dieser legt fest, wann das Forschen endet sowie die Schreibarbeit begonnen und abgeschlossen werden soll.

Potentielle Publikum

Um nachvollziehbar zu schreiben und dabei den nötigen Ernst und eine konsistente Stimme zu entwickeln, hilft es, den Text an einen Adressaten zu richten. Am besten ist es, sich keinen fachlichen Experten als Leser vorzustellen, sondern einen Freund, die eigene Schwester oder den früheren Lieblingslehrer.

Einleitung als Schlusswort

Obwohl es anders anmutet – nicht die Einleitung, sondern den Hauptteil einer Bachelorarbeit schreibt man zuerst. Denn erst, wer weiß, wie der Hauptteil einer Bachelorarbeit schließlich aufgebaut ist, kann in der Einleitung darauf vorbereiten (vgl. Kruse 2014: 79).

Gliederung als Geländer

Damit das Schreiben des Hauptteils beginnen kann, muss wiederum klar sein wie er strukturiert sein soll. Deshalb fertigt man zunächst eine Gliederung an, die die Argumentationslinie der Bachelorarbeit festlegt (vgl. Kruse 2014: 81). In Form von klar definierten Kapiteln entsteht so ein Geländer, das beim Schreiben immer wieder Halt und Orientierung geben kann.

Korrekturpause

Eine Pause im Laufe des Schreibprozesses gibt nicht nur neue Energie, sondern kann auch für eine Verbesserungrunde genutzt werden. Weil das finale Lektorat der Bachelorarbeit durch einen Freund oder eine Agentur viele Veränderungsvorschläge mit sich bringen kann, sollte man die Arbeit stückeln. Oft können so Schwächen des Textes frühzeitig erkannt und im Fortlauf des Schreibens bereits vermieden werden (siehe zu allen diesen Aspekten auch diesen Artikel aus der Welt-Online).

Im Hauptteil einer Bachelorarbeit muss man zeigen, was man weiß und kann. Hier macht man anstelle von Einführungen, Ankündigungen und Behauptungen Nägel mit Köpfen. Neben der studierten Fachrichtung ist es auch die Forschungsfrage, die bestimmt wie das von statten geht. Drei Bestandteile aber sind für jede Bachelorarbeit unverzichtbar: der Theorieteil, die Vorstellung der Methodik und die Präsentation der Forschung und ihrer Ergebnisse. Wenn man diese Inhalte logisch verknüpft und sich schließlich die Zeit für eine Korrektur des Textes durch einen dritten nimmt, ist das Wichtigste bereits getan.

Literatur

Bänsch, Axel/Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten, 11. Aufl., München.

Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer (2017): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 9. Aufl., Stuttgart.

Kruse, Otto (2014): Lesen und Schreiben, 2. Aufl., Stuttgart.

Franck, Norbert (2011): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens: Eine praktische Anleitung, 16. Aufl., Stuttgart.

Heesen, Bernd (2014): Wissenschaftliches Arbeiten: Vorlagen und Techniken für das Bachelor-, Master und Promotionsstudium, 3. Aufl., Berlin.

Raab, Gerhard/Unger, Alexander/Unger, Fritz (2009): Methoden der Marketing-Forschung: Grundlagen und Praxisbeispiele, 2. Aufl., Wiesbaden

 

Weiterführende Literatur:

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2014): Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben, 4. Aufl., Paderborn.

Franck, Norbert (2011): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens, 16. Aufl., Stuttgart.

Pospiech, Ulrike (2012): Wie schreibt man wissenschaftliche Arbeiten?, 2. Aufl., Mannheim.

Theisen, Manuel-René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 16. Aufl., München.

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