Einen Forschungsstand schreiben: So geht’s

Inhalt

Teil einer jeden Hausarbeit und noch mehr einer Bachelorarbeit ist die Diskussion des aktuellen Forschungsstandes. Hier solle die bestehende Forschung zur Fragestellung, die man sich gewählt hat, kurz skizziert werden. Zudem sollte man hier die bereits existieren de Forschung etwas einordnen. Wie das am besten gelingt und was man beim Schreiben eines Forschungsstandes beachten sollte, kann man hier erfahren.

Forschungsstand: Auf den Schultern von Giganten

„Wenn ich weitersehen konnte, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stand.“ Das schrieb das Wissenschaftsgenie Isaac Newton wohl im Jahre 1765 an Robert Hooke. Heute wird dieses Sinnbild häufig benutzt, um das Verhältnis der aktuellen wissenschaftlichen Forschung zu den Vorarbeiten und damit auch zu Wissenschaftlern früherer Generationen zu kennzeichnen.

Und das aus gutem Grunde. Die jeweils nächsten Generation von Wissenschaftlern fängt ja nicht bei null an, sondern beruft sich auf die Erkenntnisse früherer Forschergenerationen. Mit offenem Ergebnis übrigens, denn ob man die Erkenntnisse positiv oder negativ beurteilt, bleibt letztlich jedem Wissenschaftler selbst überlassen – auch in einer wissenschaftlichen Arbeit.

Zum sauberen wissenschaftlichen Arbeiten gehört daher, dass man die Ergebnisse früherer Generationen exakt und übersichtlich darstellt. So zeigt man nicht nur, dass man die Forschung zu der Fragestellung, zu der man arbeitet, zur Kenntnis genommen und verstanden hat. Den Forschungsstand zu erarbeiten zwingt auch jeden dazu, die Forschung systematisch zu erfassen. Aber man macht es sich auch mit dem weiteren Schreiben leichter. Hat man den Forschungsstand einmal skizziert, ist es deutlich leichter, die Leerstellen, die sich ergeben haben, mit der eigenen Forschung zu füllen, Widersprüche mit der eigenen Position zu aufzulösen oder bereits bestehende Thesen auf die eigene Fragestellung anzuwenden. Erst durch einen Forschungsstand kann man die eigene Forschung also in die Wissenschaft einbetten (Vgl. Frietsch/Rogge (2014), S. 151-154).

Was gibt es beim Forschungsstand zu beachten?

Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand gehört also zu jeder etwas umfangreicheren Arbeit, wie beispielsweise der Bachelorarbeit dazu. Wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit, gibt es auch hierbei einige Dinge, die es zu beachten gilt.

Viele Studierende befürchten, dass einen Forschungsstand zu schreiben, viel Arbeit bedeutet. Schließlich soll man doch die ganze Literatur recherchieren und aufzählen, die es zu einem Thema gibt? Das ist zum Glück nicht der Fall. Gerade wenn es um die noch relativ kurze Bachelorarbeit, oder um eine Hausarbeit geht, wäre es nicht möglich auf wenigen Seiten oder in wenigen Absätzen, die ganze Forschung zusammenzutragen und alle Bücher aufzuzählen. Stattdessen sollte man herausfinden, welche Fraktionen und Meinungen es gibt und schlaglichtartig mit der Forschung umgehen.

Zudem sollte man immer beachten, dass sich der Forschungsstand eigentlich immer auf die Fragestellung bezieht, und nicht nur auf ein Thema. Wie oben dargestellt, soll der Forschungsstand dazu dienen, die eigene Fragestellung in Beziehung zur Forschung zu setzen – nicht das Thema.

Wer die wissenschaftlichen Ergebnisse eines Dritten in seiner Arbeit verwendet, der muss das außerdem auch durch direkte und indirekte Zitate deutlich machen. Macht man das nicht, oder nicht ausreichend, läuft man Gefahr, ein Plagiat zu produzieren, dass bei der Plagiatsprüfung der Abschlussarbeit schnell auffliegt. Das kann wiederum sehr weitreichende Folgen haben, die bis zum Ausschluss von der Universität führen können. Auch der wissenschaftliche Schreibstil muss hier angewendet werden (Formulierungsbeispiele siehe unten). Ein Lektorat der Bachelorarbeit kann hier Tipps geben, ob der Stil getroffen wurde.

Wie schreibe ich einen Forschungsstand für eine Bachelorarbeit?

Wer einen Forschungsstand schreiben möchte, muss sich zunächst für eine von zwei unterschiedlichen Herangehensweisen entscheiden: die Chronologische oder die Thematische.
Bei der thematischen Gliederung wird die aktuelle Forschung dabei beispielsweise nach Vertretern der einen oder anderen Meinung aufgeteilt (Pro-Contra). Mit dieser Art der Forschungsdiskussion zeigt man also bereits, dass man sich intensiv mit der Literatur auseinandergesetzt hat. Denn nur wer bereits weiß, in welches „Lager“ welcher Autor gehört, kann das auch entsprechend darstellen.

Die chronologische Diskussion ist dagegen etwas einfacher. Ausschlaggebend hierfür ist einzig und allein das zeitliche Erscheinen der jeweiligen Literatur. Aber Achtung: Bei einer Forschungsdiskussion geht es ja nicht darum, möglichst viele unterschiedliche Autoren und Werke aufzuführen, damit auch das Literaturverzeichnis schön lang ist. Im Gegenteil. Weniger ist hier mehr. Die Leser interessiert nur, welche Literatur auch tatsächlich für die vorliegende Arbeit interessant ist. Das bedeutet, dass man bereits in der Forschungsdiskussion deutlich machen sollte, welche Werke und welche Autoren für die eigene Forschung einen Beitrag geleistet haben. Genau aus diesem Grund ist es für kleine Forschungsarbeiten wie die Bachelorarbeit oft sinnvoller, die thematische Herangehensweise zu wählen.

Kleine Hilfen für eine übersichtliche Darstellung

Die klassischen W-Fragen, die auch bei vielen anderen Teilen der Bachelorarbeit eine wichtige Hilfe sind, können auch an dieser Stelle helfen (Siehe dazu auch das Merkblatt der Universität Hamburg). Also:

Wer hat das gesagt/geschrieben: Hier sollte man den Verfasser nennen

Was hat er oder sie konkret gesagt: Eine Darstellung der Thesen ist hier angebracht.

Wie, also in welcher Form, ist das geschehen: Wurden die Ergebnisse in einem Sammelband als Aufsatz, in einer Monografie oder in einer ganz anderen Form veröffentlicht? Das sollte man hier
erwähnen.

Wann ist die Arbeit erschienen: Das Erscheinungsdatum darf auf keinen Fall ausgelassen werden, sondern ist zentraler Bestandteil einer korrekten Referenzangabe.

Die Frage nach dem Wo? ist beim Zitieren zwar wichtig (an welchem Veröffentlichungsort und ggf. in welchem Verlag), ist bei der Schilderung des Forschungsstandes aber nicht üblich.

Wie ausführlich muss der Forschungsstand für eine Bachelorarbeit sein?

Die Frage, wieviel Umfang der Forschungsstand haben soll, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt mit unterschiedlichen Dingen zusammen.

In einer Hausarbeit über 12 bis 15 Seiten kann man sich sicherlich nicht so ausführlich einer Fragestellung und damit auch dem Überblick über die bisherige Forschung widmen, wie man das in einer Dissertation kann. Hier kann der Forschungsstand ein ganzes Unterkapitel ausmachen und sollte tatsächlich – anders als oben beschrieben – auf der Grundlage der gesamten Literatur, die es gibt, erfolgen. Das heißt aber auch hier nicht, dass man jedes Werk aufzählen muss. Es sollte aber jede Forschungsposition, die es überhaupt gibt, vertreten sein und aufgenommen werden. Auch den historischen Verlauf der Forschung, wenn er relevant ist, sollte man aufzeigen.

Insgesamt geht es bei der Frage nach der Ausführlichkeit des Forschungsstandes also nicht nur um das Längenverhältnis von Forschungsstand und Textumfang insgesamt. Faustregeln, wie sie beispielweise für das Fazit, die Einleitung oder Abstracts gelten, kann man hier eher nicht anwenden. Stattdessen steigt die Ausführlichkeit des Forschungsstandes mit der Komplexität der Fragestellung. Dies ist der eigentliche Grund dafür, dass der Forschungsstand bei einer Dissertation immer länger ist, als bei einer Abschlussarbeit.

Einige Formulierungshilfen für die Forschungsdiskussion

Einen Forschungsstand zu schreiben klingt schwierig? Ist es aber gar nicht (Siehe dazu auch Weiler (2017), S. 70-75). Wer eine Forschungsdiskussion schreibt, hat meist schon einen guten Überblick über die aktuelle Forschungslage und die „Klassiker“ kennt man ohnehin (Weitere Hinweise bietet die Europa-Universität Viadrina). Einige Formulierungsbeispiele können aber trotzdem dabei helfen, einen guten Überblick über den Forschungsstand zu geben:

  • „Ein aus heutiger Sicht immer noch wichtiger Aufsatz ist…“
  • „Bereits im Jahr … konnte … zeigen, dass… Das entspricht auch heute noch der aktuellen Forschung in der wissenschaftlichen Community.“
  • „Nicht vergessen werden darf die Monografie von …, die noch immer zu den grundlegenden Werken auf dem Gebiet der … gehört.“

Der Forschungsstand in einer Bachelorarbeit ist zentral für das wissenschaftliche Arbeiten. Studierende sollten sich aber trotzdem nicht verrückt machen lassen. Ein Forschungsstand, der jedes Werk beinhaltet, das je zu einer Fragestellung geschrieben wurde ist bestimmt nicht nötig, wenn man eine Bachelorarbeit schreibt. Die Komplexität der Fragestellung allein, wird es nicht erforderlich machen. Trotzdem sollte man auf eine ordentliche Zitation achten und die Forschung sinnvoll und thematisch oder chronologisch zusammenfassen. Nur so kann man die eigene Arbeit in die bereits bestehende Forschung einbetten.

Literatur

Frietsch, Ute/Rogge, Jörg (2014): Über die Praxis des kulturwissenschaftlichen Arbeitens: Ein Handwörterbuch, Bielefeld.

Weiler, Yannick (2017): #SchreibenKannIch. Eine wissenschaftliche Arbeit in 30 Stunden, Wien.

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