Im wissenschaftlichen Schreibstil die Bachelorarbeit schreiben

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Ist eine Arbeit dann wissenschaftlich, wenn sie besonders kompliziert geschrieben ist? Bitte nicht: Ein wissenschaftlicher Schreibstil zeichnet sich gerade nicht durch Sätze aus, die man mehrfach lesen muss. Auch viele Fremdwörter machen eine Arbeit noch nicht wissenschaftlich. Stattdessen sollte man darauf achten, dass man so klar und verständlich wie möglich schreibt und auf umgangssprachliche Formulierungen verzichtet. Dabei helfen die folgenden Hinweise.

Auf Schachtelsätze verzichten

Durch manche wissenschaftlichen Arbeiten winden sich die Sätze über mehrere Zeilen hinweg. Lange Sätze heißen aber noch nicht, dass man einen wissenschaftlichen Schreibstil hat. Im Gegenteil: Ein guter Stil heißt, klar und verständlich zu schreiben. Schachtelsätze erschweren hingegen den Lesefluss (Siehe dazu auch die Hinweise der Universität Passau).

Besser ist es also, lange Sätze in mehrere kurze Sätze umzuschreiben. Das liest sich nämlich deutlich besser als mehrere verschachtelte Nebensätze. Als Grundregel kann man sich merken: Wenn sich ein Satz über mehr als zwei Zeilen zieht, sollte man darüber nachdenken, ihn umzuschreiben.

Ein Satz sollte auch in einer wissenschaftlichen Arbeit bereits beim ersten Lesen gut zu verstehen sein. Das erhöht zudem die Chance, dass der Prüfer bzw. Betreuer sich auch nach zehn Seiten noch gut auf die Arbeit konzentrieren kann.

Zum wissenschaftlichen Schreibstil gehört Neutralität

Zum wissenschaftlichen Schreibstil gehört es, sich distanziert und sachlich mit einem Thema zu beschäftigen (Karmasin, Ribing, 2017). Deshalb sollten Studierende sich um Neutralität bemühen. Dazu gehört es zum Beispiel, auf Superlative zu verzichten. Man sollte also beispielsweise nicht von der „größten Erfindung aller Zeiten“ oder dem „berühmtesten Dichter seiner Zeit“ schreiben.

Auf jegliche subjektive Wertungen („Xy war ein böser Mensch.“) sollte man in wissenschaftlichen Arbeiten besser verzichten. Will man sie trotzdem in die Arbeit aufnehmen, gibt es einen Trick: Man sucht nach solchen Urteilen in der Sekundärliteratur und zitiert diese direkt (Siehe eine Zusammenfassung der Universität Mainz). Besser ist es jedoch, nur solche Wertungen vorzunehmen, die man auch objektiv nachweisen kann. Nach oben genanntem Beispiel also: „Xy hatte trotz seiner Härte und Rücksichtslosigkeit gegen politische Gegner auch eine gefühlvolle und emphatische Seite, etwa im Umgang mit seiner Familie.“
Auch Sprichwörter und Floskeln sollte man in wissenschaftlichen Arbeiten mit Vorsicht verwenden. Das gilt auch für Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“ – denn womöglich gibt es doch einmal eine Ausnahme.

Besser aktiv formulieren

Ein wissenschaftlicher Schreibstil ist dann gut, wenn sich eine Arbeit sachlich und angenehm liest. Dazu trägt es bei, auf Passiv-Konstruktionen zu verzichten (dazu ein Leitfaden der Technischen Universität Dresden).

Es ist für viele Studierende verlockend, große Teile ihrer Arbeiten in Passivsätzen zu verfassen, weil das auf den ersten Blick manchmal objektiver erscheint. Diese Sätze behindern aber den Lesefluss und wirken oft etwas schwerfällig (Pospiech, 2012).

Besser ist es also, so viele Sätze wie möglich im Aktiv zu schreiben. Statt zu erwähnen, dass etwas „untersucht worden“ ist, sollte man besser schreiben: „… hat untersucht, ob / dass…“. Sehr viele Sätze, die im Passiv formuliert sind, können den Leser hingegen regelrecht erschlagen (Esselborn-Krumbiegel, 2014).

Vorsicht mit Fremdwörtern

Möglichst viele Fremdwörter in einer Arbeit unterzubringen, bedeutet noch lange nicht, dass man einen wissenschaftlichen Schreibstil entwickelt hat. Eine Arbeit wird nicht dadurch besser, dass sie besonders viele Fremdwörter enthält (Kruse, 2014).

In einer wissenschaftlichen Arbeit sollte man die üblichen Fachtermini verwenden (Bänsch, Alewell, 2013). Alle weiteren Fremdwörter sollte man hingegen vermeiden, sofern sie nicht unbedingt notwendig sind (Theisen, 2013).

Ist es sinnvoll, ein bestimmtes Fremdwort zu benutzen, dann sollte man dieses Wort einmal erklären, falls es nicht gängig ist. Danach sollte man es immer in derselben Weise und Bedeutung benutzen. Überflüssige oder falsch benutzte Fremdwörter machen schnell einen schlechten Eindruck (Schneider, 2011).

Bitte keinen Nominalstil verwenden

Vor allem in Deutschland gibt es einen Trend, in wissenschaftlichen Arbeiten möglichst viele Substantive zu verwenden (Schneider, 2011). Oft geschieht das dadurch, dass Verben substantiviert werden. Auf diese Weise entstehen schwer lesbare Texte, die vermeintlich objektiv und wissenschaftlich wirken sollen.

Besser ist es, solche Substantive durch Verben zu ersetzen. Den Nominalstil erkennt man daran, dass sehr viele Wörter auf die Silben -keit, -ung oder -heit enden. Die meisten dieser Sätze lassen sich gut umformulieren, indem man Verben benutzt.

Beispiel (fiktiv): Der Bundeskanzler hat dem Vorschlag über die Einführung der Besteuerung der Fahrzeugführung zugestimmt.

Besser: Der Bundeskanzler hat dem Vorschlag zugestimmt, dass Fahrzeugführer Steuern zahlen sollen.

Genügend Zeit für Korrekturen einplanen

Ein wissenschaftlicher Schreibstil entwickelt sich nicht von selbst. Deshalb sollten Studierende genügend Zeit einplanen, um ihre Bachelorarbeit Korrekturlesen zu lassen und zu überarbeiten (Franck, 2011). Ein guter Stil entsteht nur, wenn man die Zeit und Energie aufbringt, Sätze auch einmal komplett umzuschreiben oder umschreiben zu lassen.

Übrigens sollte man sich dabei nicht nur vor verschachtelten Sätzen hüten: Auch besonders lange Wörter machen es nicht leicht, einen Text zu lesen. Sie entstehen häufig dann, wenn man mehrere Hauptwörter miteinander verbindet. Das sollten Studierende besser vermeiden. Oft haben diese Worte nicht einmal viel Inhalt und lassen sich einfach ersetzen oder streichen (Schneider, 2011).

Den Anweisungen des Prüfers folgen

Manche Prüfer stellen spezielle Anforderungen an Arbeiten, deren Formatierung sowie an die Erstellung von Grafiken und Tabellen und an einen wissenschaftlichen Schreibstil. Wenn also der Prüfer der Meinung sein sollte, dass Schachtelsätze und Fremdwörter zu einer wissenschaftlichen Arbeit gehören, dann sollte man auch entsprechend schreiben.

Am Ende bringt es nichts, wenn man den eigenen Stil zwar elegant und gut lesbar findet, der Prüfer aber andere Erwartungen hat. Im Zweifel spiegelt sich das am Ende sonst in der Note wider.

Mit einigen einfachen Kniffen können Studierende also einen wissenschaftlichen Schreibstil entwickeln. Es geht dabei gar nicht darum, alle hier genannten Anregungen umzusetzen. Oft hilft es bereits, sich einige Sätze laut vorzulesen und dabei zu prüfen, ob sie gut verständlich sind. Außerdem braucht es Übung, um einen guten Stil zu entwickeln. Studierende sollten deshalb Geduld mit sich haben, falls ihr erster Entwurf sich noch sperrig liest: Oft werden Texte erst durch mehrere Überarbeitungen gut.

Literatur

Bänsch, Axel/Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten, 11. Aufl., München.

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2014): Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben, 4. Aufl., Paderborn.

Franck, Norbert (2011): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens, 16. Aufl., Stuttgart.

Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer (2017): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 9. Aufl., Stuttgart.

Pospiech, Ulrike (2012): Wie schreibt man wissenschaftliche Arbeiten?, 2. Aufl., Mannheim.

Schneider, Wolf (2011): Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt Taschenbuch, 8. Auflage, Reinbek.

Theisen, Manuel-René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 16. Aufl., München.

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