Die empirische Bachelorarbeit | Theorie und Praxis

Empirische Bachelorarbeit
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Das vorletzte Semester neigt sich dem Ende, die Module sind abgeschlossen – die Bachelorarbeit steht auf dem Plan. Nun gilt es sich zu entscheiden, ob man lieber eine theoretische oder eine empirische Bachelorarbeit abgeben möchte. Was eine empirische Arbeit ist und was Du dabei beachten solltest, erfährst du in folgendem Artikel.

Was ist eine empirische Bachelorarbeit?

Während man bei einer theoretischen Ausarbeitung anhand von bereits vorliegender Literatur argumentiert, erarbeitet man für eine empirische Arbeit eine wissenschaftliche Fragestellung anhand eigener Daten. In beiden Fällen entwickelt man eine Forschungsfrage, stellt (Hypo-)Thesen dazu auf und prüft diese anhand von Daten, die man selbst erhebt (Primärdaten) oder selbst auswertet (Sekundärdaten oder Quellen) und der Forschungsliteratur.

Empirische Bachelorarbeit: Forschung und Theorie

Das Thema der Arbeit ist klar, erste Forschungsideen entstehen, doch einfach mit einer Erhebung loslegen wäre etwas vorschnell. Oft gibt es schon Arbeiten und Erhebungen zum Thema, die entweder ähnliche Untersuchungen durchgeführt haben oder in denen es wichtige Anhaltspunkte und zusätzlich Aspekte zu entdecken gibt. Deswegen ist eine umfangreiche Literaturrecherche über den aktuellen Forschungsstand im Vorfeld unverzichtbar (vgl. Balzert et al 2008, S. 75). Dabei werden folgende Fragen geklärt: Was gibt es schon zu dem Thema? Liegen bereits Daten vor? Und welche Fragen gilt es noch zu klären?

Als weitere Grundlage und für die Entwicklung von Hypothesen ist das Heraussuchen von passenden Theorien ein wichtiger Bestandteil der Bachelorarbeit. Oft werden anhand dieser auch Begriffe definiert, die zentral für die Arbeit sind. Der Stand der Forschung und die Theorie erhalten dann in der Bachelorarbeit jeweils ein eigenes Kapitel, die sich an die Einleitung anschließen.

Forschungsdaten für die empirische Bachelorarbeit

Eine empirische Bachelorarbeit zeichnet sich im Gegensatz zu einer theoretischen dadurch aus, dass eine Datenauswertung und Datenanalyse stattfindet. Oft müssen die gewünschten Daten in einer Feldforschung selbst erhoben werden. Manchmal hat man bei der Vorab-Recherche auch Glück und entdeckt, dass bereits Daten aus einer anderen Erhebung (z. B. einer größeren Studie) zum Thema vorliegen.

Primär- und Sekundärdaten

Kann man mit bereits erhobenen Daten direkt zur Analyse übergehen, spricht man von einer Sekundärdatenanalyse. Dabei kann es sich beispielsweise um einen amtlichen Statistikdatensatz handeln. Diese Daten wurden nicht für die eigene Forschung erhoben, können aber für die Analyse genutzt werden.

Entscheidet man sich dazu selbst zu erheben, handelt es sich um eine sogenannte Primärdatenanalyse. Diese ist naturgemäß etwas aufwändiger, denn man muss das Forschungsdesign selbst auswählen und entwickeln und die Erhebung selbst durchführen.

Quantitativ vs. qualitativ

Die Entscheidung für eine empirische Bachelorarbeit mit eigener Datenerhebung steht, nun geht es darum, dies zu konkretisieren und das Forschungsdesign festzulegen. Soll qualitativ oder quantitativ geforscht werden oder würde vielleicht sogar ein Methodenmix zur Klärung der Forschungshypothesen Sinn machen?

Quantitative Forschungsmethoden zeichnen sich durch eine hohe Standardisierung, eine große Stichprobengröße und eine möglichst zufällige Auswahl der Befragten aus. Zu den quantitativen Methoden gehören beispielsweise Umfragen anhand von Fragebögen mit geschlossenen Fragen.

Qualitative Erhebungen sind im Gegensatz dazu weniger standardisiert und bedienen sich einer wesentlich kleineren Stichprobe. Diese wird anhand des theoretical sampling, einer theoriegeleiteten Auswahl, bei der man möglichst typische Probanden für seine Befragung auswählt, gestaltet. Qualitative Forschungsmethoden eigenen sich besonders gut in der explorativen Phase, wenn noch recht wenig über ein Forschungsfeld bekannt ist. Beispiele für qualitative Erhebungsmethoden sind qualitative Befragungen mit offenen Fragen und Gruppendiskussionen (vgl. Hug und Poscheschnik 2015, S. 100 ff).

In manchen Fällen kann auch eine Mischung aus beiden Erhebungsformen (Vgl. die Hinweise der Universität Augsburg) sinnvoll sein, beispielsweise bei einer Befragung, die zu einem Teil aus standardisierten Fragen mit fest vorgegebenen Antwortmöglichkeiten sowie einigen offenen Fragen besteht.

Egal für welche Art der Erhebung man sich entscheidet, wichtig ist die Entscheidung in der Bachelorarbeit klar darzulegen und gut zu begründen.

Feldphase der empirischen Bachelorarbeit

Hat man sich dafür entschieden selbst zu erheben und sich für eine Forschungsmethode entschieden, geht es an die Durchführung. Den Zeitraum der Erhebung nennt man Feldphase.

Bereits im Vor“Feld“ gibt es einiges zu beachten. Egal, ob anhand eines Fragebogens, eines offenen Interviews oder in einer Gruppendiskussion erhoben wird – das gründliche Vorbereiten und Testen der Erhebungsinstrumente ist unerlässlich. Sind alle Fragen sinnvoll gestellt? Wie sollen die Teilnehmer angesprochen werden? Ist genug Zeit eingeplant? Je fundierter die Vorbereitung, desto besser sind die Untersuchungsergebnisse.

Gleiches gilt für die Umsetzung der Untersuchung. Bei jeder Erhebungsmethode gibt es bestimmte Vorgaben zu beachten. Diese sollten bei der Durchführung vom Forscher penibel eingehalten werden, um möglichst reliable, valide und objektive Untersuchungsergebnisse zu erhalten.

Datenauswertung

Egal ob man eigene Daten erhoben hat oder auf Sekundärdaten zurückgreift, für eine empirische Arbeit ist die Auswertung ganz besonders wichtig. Die Vorgehensweise in der Analyse hängt von der Fragestellung der Bachelorarbeit und den dazu erarbeiteten Hypothesen ab. Geht es darum den Zusammenhang zwischen zwei Variablen zu untersuchen, greift man zu bivariaten Analyseverfahren, wie beispielsweise dem t-Test (Siehe dazu auch die Anleitung der Universität Zürich).

Sind mehr als zwei Variablen miteinzubeziehen, handelt es sich um eine multivariate Analyse. Dafür kommen andere Auswertungsmethoden, wie beispielsweise eine logistische Regression (Siehe auch dazu die Hinweise der Universität Zürich), zum Einsatz. Auch bei der Wahl der Auswertungsmethode ist es wichtig, diese in der Bachelorarbeit ausführlich darzulegen und gut zu begründen.

Ergebnisteil der empirischen Bachelorarbeit

Liegen die Untersuchungsergebnisse vor, geht es im Ergebnisteil der Bachelorarbeit an die Darstellung der Erkenntnisse. Dabei muss nicht jedes Einzelergebnis dargelegt werden, sondern lediglich die, die für die Forschungsfrage relevant sind. In der Regel werden die ausführlichen Analysedaten als Anhang an die Bachelorarbeit mitabgegeben. Wichtig ist, zu beantworten, inwiefern die vorher aufgestellten Hypothesen belegt oder widerlegt werden konnten.

Entscheidet man sich für eine empirische Arbeit, geht es darum eine Forschungsfrage anhand von eigenen Forschungsergebnissen zu beantworten. Diese sollte in der Einleitung der Bachelorarbeit vorgestellt werden. Bevor man mit der Datenerhebung bzw. -analyse beginnt, ist eine gründliche Literaturrecherche zum Stand der Forschung wichtig. Zudem sollte man eine passende Theorie bzw. Theorien heraussuchen. Dafür sollten ebenfalls Kapitel reserviert werden.

Das Herzstück der Arbeit ist die Datenanalyse. Ob dafür Primär- oder Sekundärdaten zum Einsatz kommen, hängt davon ab, ob bereits passende Datensätze vorliegen oder man selbst eine passende Erhebung vornehmen muss/will. In jedem Fall sollten dies sorgfältig ausgewählt und ausführlich begründet werden. Gleiches gilt für die Entscheidung, ob quantitativ oder qualitativ geforscht werden soll und für die Methode der Auswertung der Daten. Im Ergebnisteil werden alle relevanten Forschungsergebnisse dargestellt und zusammengefasst. Als Abschluss bietet sich dann das Lektorat der Bachelorarbeit an, um sich der Qualität der Arbeit sicher zu sein.

Literatur

Balzer, Helmuth; Schäfer, Christian; Schröder, Marion; Kern, Uwe (2008): Wissenschaftliches Arbeiten, Herdecke/Witten.

Hug, Theo; Poscheschnik, Gerald (2015): Empirisch forschen, Konstanz.

Weiterführende Literatur:

Diekmann, Andreas (2007): Empirische Sozialforschung: Grundlagen, Methoden, Anwendungen, Reinbek.

Esser, Elke; Hill, Paul B.; Schnell, Rainer (2011): Methoden der empirischen Sozialforschung, München.

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