Wissenschaftliche Tools anwenden: Exzerpieren für die Bachelorarbeit

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Markierungen, bis man vor Hervorhebungen den Text nicht mehr erkennen kann, unleserliche Randnotizen oder herumfliegende Heftnotizen – bei der Lektüre von Texten will man möglichst viele, wichtige Inhalte hervorheben, verliert dabei aber schnell den Überblick. Weiß man jedoch um die Methoden und Vorgehensweisen des Exzerpieren für die Bachelorarbeit, ist man vor diesem Chaos gefeit.

Doch was bedeutet „exzerpieren“, was gehört in ein Exzerpt und was gilt es beim Exzerpieren zu beachten? Auf diese Fragen geht dieser Artikel ein: Zunächst geht es um den Begriff und die Arten des Exzerpieren sowie die wesentlichen Bestandteile, die in ein Exzerpt gehören. Schließlich erläutert dieser Beitrag wie man beim Exzerpieren für die Bachelorarbeit vorgehen muss und welche Programme dafür zur Verfügung stehen.

Exzerpieren – Was bedeutet das?

Das Wort „Exzerpt“ leitet sich aus dem Spätlateinischen „excerptum“ ab und bedeutet „herauspflücken“ oder „auslesen“ (Vgl. Duden 2017). Genau darum geht es beim Exzerpieren: Hinsichtlich eines bestimmten Themas oder einer Fragestellung werden die wichtigsten Inhalte eines Textes bei der Lektüre herausgeschrieben. Dabei geht man über das bloße Abschreiben relevanter Textstellen hinaus, indem man seine Notizen bereits mit eigenen Anmerkungen versieht.

Exzerpte sind deshalb ein wichtiges Hilfsmittel beim Schreiben einer Abschlussarbeit, da sie dazu beitragen, sozusagen bereits beim Lesen ins Schreiben zu kommen und seine eigenen Thesen zu schärfen. Mit anderen Worten: Indem man sich bereits beim Lesen von Primär- und Sekundärliteratur zur kritischen Lektüre zwingt, erarbeitet man eigene Gedanken, die es im Exzerpt festzuhalten gilt. Damit legt man die Grundlage für die eigene wissenschaftliche Arbeit (Vgl. Theisen 2013, S.140).

Dazu heißt es in einem Handout zum Exzerpieren und Bibliografieren der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: „Wer mit dem Schreiben zu lange wartet, lässt die erkenntnistheoretische Kraft des Schreibens ungenutzt.“

Arten von Exzerpten

An das Exzerpieren für die Bachelorarbeit kann man text- oder leserorientiert herangehen. Beim text- bzw. quellenorientiertem Exzerpieren werden die Hauptaussagen eines Textes ermittelt und mit Kommentaren versehen. Das leser- bzw. projektorientierte Exzerpieren hingegen steht vor einer bestimmten Themen- oder Fragestellung, die im Zusammenhang mit dem Erkenntnisinteresse der Bachelorarbeit beantwortet werden soll. Dafür werden stets mehrere Texte gelesen und ausgewertet.

Für besonders sperrige, das heißt komplexere Texte eignet sich auch ein Strukturexzerpt. Bei diesen notiert man die wichtigsten Aussagen des Textes und verbindet mit Pfeilen und Verbindungslinien die Beziehung der Aussagen untereinander. Diese Technik des Mind Mappings eignet sich, um ein logisches Gefüge zu verdeutlichen (siehe Abbildung 1).

Mindmap

Abb. 1 Beispiel einer Mind Map

Dabei gibt es kein Patentrezept für die beste Vorgehensweise des Exzerpierens. Es kommt immer auf den Text und die Themen- und Fragenstellung der Bachelorarbeit oder der Masterarbeit an, nicht zuletzt aber auch auf die persönliche Vorliebe, mit der einen oder anderen Herangehensweise zu arbeiten.

Bestandteile eines Exzerpts

Zu den Inhalten eines Exzerpts gehören im Wesentlichen fünf Bestandteile (Vgl. Bünting 2008, S. 34):

  1. Bibliographische Angaben: Dazu gehören alle Angaben, die für ein vollständiges Literaturverzeichnis benötigt werden – Autor, Titel und ggf. Untertitel, Herausgeber, Erscheinungsjahr und – ort sowie der Verlag. Man sollte die Anforderungen, die Institut bzw. Fakultät an eine Bibliographie stellt, unbedingt kennen. Hier gibt es von Fachrichtung zu Fachrichtung und von Hochschule zu Hochschule große Unterschiede.
  2. Schlagwörter: Mit Hilfe von Schlüsselwörtern kann man den Beitrag thematisch einordnen und sieht auf den ersten Blick, mit welcher Thematik sich das Exzerpt beschäftigt. Auch eine weiterführende Literaturrecherche gestaltet sich einfacher, da man die passenden Suchbegriffe bereits zur Hand hat. Alternativ sind auch Hinführungen, die das Exzerpt in den thematischen Kontext der Bachelorarbeit einordnen, hilfreich.
  3. Inhaltliche Zusammenfassung bzw. Thesen: Hierbei geht es um die Kernaussage des Textes. Es kann sein, dass in der Bachelorarbeit ein gelesener Text zusammengefasst werden muss, um ihn inhaltlich in einen Kontext zu setzen. Daher ist es hilfreich, auf diese Information im Exzerpt zurückgreifen zu können, statt noch einmal das Buch zur Hand nehmen zu müssen.
  4. Wörtliche Zitate und Paraphrasen: Alle weiteren inhaltlich relevanten Aussagen des Textes werden als wörtliches Zitat oder als Paraphrasen aufgeschrieben – immer mit einem Verweis zur Seitenzahl. Im Vordergrund stehen Paraphrasen – das heißt eigene Worte. Zitate sollten nur bei besonders prägnanten Aussagen und Begriffen verwendet werden.
  5. Eigene Kommentare: Eigene Beobachtungen, Querverweise zu anderen Quellen und aufgekommene Fragen zum Gelesenen gehören ebenso in ein Exzerpt. Sie sind sogar besonders wichtig, da sie letztendlich für die stringente Argumentation – also auch für den roten Faden in der Bachelorarbeit – benötigt werden.

Richtiges Exzerpieren für die Bachelorarbeit

1. Vorbereitungen treffen

Zunächst sollte man sich in seinem Textverarbeitungsprogramm (z.B. Word, Open Office, LibreOffice usw.) ein separates Dokument anlegen. Mit Randnotizen auf Kopien, Heftnotizen oder einzelnen A4-Seiten entsteht nur unnötiges Chaos. Auch Zettelkästen mit Karteikarten sind eine inzwischen veraltete und vor allem wenig effiziente Möglichkeit.

Dagegen sorgen beispielsweise Exzerptdatenblätter für Ordnung. Diese können einfache Tabellen sein, in welche man die für ein Exzerpt wichtigen Eckdaten einträgt (vgl. Abbildung 2). Als Vorlage systematisiert ein solches Datenblatt das Exzerpieren, indem sich damit alle bibliographischen und inhaltlichen Informationen eines Textes übersichtlich aufbereiten lassen.

Exzerptdatenblatt

Abb.2 Beispiel für ein Exzerptdatenblatt

2. Herausschreiben/Exzerpieren

Beim Exzerpieren werden nun die für die wissenschaftliche Fragestellung wichtigen Gedanken eines Textes herausgefiltert und aufgeschrieben – entweder wortwörtlich oder paraphrasiert. Ganz gleich, ob man eine Aussage als Zitat in Anführungsstrichen übernimmt oder mit eigenen Worten wiedergibt, wichtig ist es, immer die entsprechenden Seitenzahlen zu notieren. Auf diese Weise läuft man beim Verfassen der Bachelorarbeit nicht Gefahr, eigenes und fremdes Gedankengut zu vertauschen (Vgl. Boeglin 2012, S.115).

Ein Exzerpt lebt vor allem von eigenen Kommentaren, das heißt von weiterführenden Beobachtungen, aufkommenden Fragen, Verweisen sowie Stichwörtern, die bei der Lektüre des Textes entstehen. Diese sollte man stets aufschreiben, möglichst in vollständigen Sätzen, die noch später lesbar und in der Bachelorarbeit verwertbar sind.

3. Exzerpte systematisieren

Ein Exzerpt profitiert von den Features des Textverarbeitungsprogrammes. So kann man Navigationen anlegen, indem man unter „Formatvorlagen“ Angaben als Buchtitel, Überschrift oder Untertitel kennzeichnet. Diese werden schließlich in einem Inhaltsverzeichnis angezeigt. So fällt es leichter, zwischen den verschiedenen exzerpierten Texten zu wechseln. Außerdem kann man mit Hilfe des Suchfelds nach Stichworten suchen (siehe Abbildung 3).

Navigation in Word

Abb. 3 Navigation in WORD

Des Weiteren kann man seine eigenen Kommentare formatieren – in einer anderen Farbe, fett oder kursiv. Auch einzelne, für die Bachelorarbeit relevante Stichwörter können durch Texthervorhebungsfarben voneinander unterschieden werden. Auf diese Weise kann man Schlagwörter wie beispielsweise „Literatur der Neuen Sachlichkeit“, „Die neue Frau“ und „Sachliche Romanze“ im Dokument besser und schneller auffinden (siehe Abbildung 2).

Weiterhin können Kommentare oder Fußnoten eingefügt werden – insbesondere bei Querverweisen zu anderen Texten bietet sich dies an. Diese können separat aufgerufen werden und gehen somit nicht im Dokument unter.

Hilfreiche Programme

Beim Exzerpieren für die Bachelorarbeit lohnt es sich nicht nur, die Vielzahl an Exzerpten mit dem PC und entsprechenden Textverarbeitungsprogrammen zu verarbeiten. Auch eine Literaturdatenbank mit Hilfe dafür vorgesehener Programme zu erstellen, unterstützt den Überblick über gelesene Literatur zu behalten und ist bis zur Dissertation eine hilfreiche Funktion.

Zu solchen Programmen gehören Citavi, Pybliographer und Zotero oder kostenpflichtige Software wie Endnote und RefWorks. Alle Tools unterstützen die Literaturverwaltung, indem Zitate hinzugefügt, editiert und gesucht werden können. Einen Vergleich der Literaturverwaltungsprogramme hat die Bibliothek der Universität Augsburg vorgenommen – in diesem sticht vor allem Citavi als sehr intuitive und effektive Software hervor.

Das Exzerpieren mag zunächst als mühselige Arbeit erscheinen, bevor man sich an das eigentliche Schreiben der Bachelorarbeit machen kann. Es ist jedoch wichtiger, als man denkt: Mit Hilfe des Exzerpierens erarbeitet man sich einen eigenen, kritischen Zugang zur gelesenen Literatur. Weiß man außerdem um die Methoden und Vorgehensweisen kann man sich das mitunter zeitaufwendige Exzerpieren wesentlich erleichtern.

Literatur

Boeglin, Martha (2012): Wissenschaftliches Arbeiten Schritt für Schritt. Gelassen und effektiv studieren, 2. Aufl., München.

Bünting, K.D. (2008): Schreiben im Studium: mit Erfolg. Ein Leitfaden, Berlin.

Theisen, Manuel René (2017): Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, München.

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