Zitieren in der Bachelorarbeit: Wann muss man zitieren und wie geht das?

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Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört das Zitieren in der Bachelorarbeit, um fremdes Gedankengut zu kennzeichnen, für wissenschaftliche Belege eigener Thesen oder um Sachverhalte in einen wissenschaftlichen Kontext einzuordnen. Beim Zitieren in der Bachelorarbeit gibt es einiges zu beachten, um sich nicht in wilde Plagiatsvorwürfe zu verstricken, die spätestens in einer Plagiatsprüfung auffliegen.

In diesem Artikel geht es um alle wichtigen Fragen rund um das Zitieren in der Bachelorarbeit. Nachdem der Begriff des Zitats definiert und die Arten von Zitaten erklärt wurden, widmet sich der Beitrag zwei der zentralen Fragen, die man sich beim Zitieren in der Bachelorarbeit  unweigerlich stellt: Wann muss man etwas zitieren und wie zitiert man richtig? Dabei verdeutlichen wir die verschiedenen Funktionen von Zitaten an Beispielen und führen wichtige Grundregeln des Zitierens auf.

Zitate – Definition und Arten

Zitate zu benutzen – per Definition wörtlich wiedergegebene Äußerungen aus einem bekannten oder veröffentlichten Text – ist eine unumgängliche, wenn nicht sogar die wichtigste Konvention des wissenschaftlichen Arbeitens. Dabei gilt es, das eigene vom fremden Gedankengut zu unterscheiden. So ist sogar im Urheberrechtsgesetzt (§ 51 Zitate) geregelt, dass man jede Form fremden geistigen Eigentums, sei es in Form von Texten, Musikstücken oder Bildern und Grafiken, kennzeichnen muss (Vgl. Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte).

Man unterscheidet bei Zitaten zwischen wörtlichen (direkten) und nicht-wörtlichen (indirekten) Zitaten. Wörtliche Zitate übernimmt man aus einem Text mit allen orthographischen, grammatischen oder stilistischen Eigenheiten. Dazu gehören auch Besonderheiten wie Hervorhebungen, Fett- und Kursivdruck sowie Unterstreichungen. Ein wörtliches Zitat muss man zu Beginn und Ende mit Anführungsstrichen kennzeichnen und es kommt niemals ohne eine Quellenangabe aus.

Beispiel: Darauf, dass Märchen als „Kunstwerke der patriarchalischen bürgerlichen Gesellschaft“ (Song 2001, S. 196) betrachtet werden können, werde ich im Folgenden näher eingehen.

Nicht-wörtliche Zitate kann man auch als indirekte Zitate oder Paraphrasen bezeichnen und sie sind mit eigenen Worten wiedergegebene Textinhalte. Im Anschluss an den paraphrasierten Textinhalt folgt ebenfalls eine Quelleneingabe, die man mit „Vgl.“ (Vergleiche) einleitet. Da man Paraphrasen nicht mit Anführungszeichen kennzeichnet, muss auf andere Weise deutlich gemacht werden, dass es sich um fremdes Gedankengut handelt. So kann man den paraphrasierten Text mit einem Hinweis auf den Autor des Textes einleiten sowie im Konjunktiv formulieren.

Beispiel: Weiterhin erklärt Hi-Young Song, dass diese Bilder widersprüchliche Vorstellungen von der Frau miteinander vereinen würden (Vgl. Song 2001, S. 196).

Wann muss man etwas zitieren?

Nachdem man für eine wissenschaftliche Arbeit Unmengen an Fachliteratur gelesen und sich eine umfangreiche Kenntnis zu einem Thema angeeignet hat, stellt sich die schwierigste Frage: Wann muss man etwas zitieren? Schließlich ist jedes Wissen, über welches man verfügt, auf fremdes Wissen zurückzuführen. Dabei ist es nicht nur von Interesse, welchen Gegenstand die Bachelorarbeit oder Masterarbeit hat und welchen Umfang das verwendete Material. Es geht auch darum, an wen sich der (wissenschaftliche) Text richtet (Vgl. Theisen 2005, S. 141).

Dazu ein Beispiel: Schreibt man eine Dissertation in der Germanistik, richtet man sich an eine sprach- und literaturwissenschaftlich gebildete Leserschaft, für die gewisse Aussagen zur Allgemeinbildung gehören. Ein Satz wie „Von der Gattungstrias spricht man erst seit der aufkommenden Aufklärung, die letztlich die Geniebewegung um 1800 nach sich zog“ muss nicht belegt werden. Ebenso wenig bedürfen die Begriffe „Gattungstrias“ und „Geniebewegung“ weiterer Ausführungen. Geht man im Folgenden aber auf die Gründe für diese Entwicklung ein, müssen diese Angaben mit entsprechender Forschungsliteratur untermauert werden (Vgl. Sittig 2008, S. 76).

Grundsätzlich gilt es, ein ausgewogenes Maß zwischen Über- und Unterzitieren zu finden (Vgl. Bänsch/Alewell 2013, S.11). Die Bachelorarbeit sollte nicht aus einer Aneinanderreihung von Zitaten bestehen, aber genauso wenig zu nachlässig mit Zitaten und Quellenangaben umgehen. „Wörtliche Zitate bilden die Ausnahme, sinngemäße die Regel“ heißt es in dem Handbuch „Wissenschaftliche Arbeiten zielwirksam verfassen und präsentieren“ (Vgl. Lehmann 2008, S. 78).

Funktionen von Zitaten

In wissenschaftlichen Arbeiten kann ein Zitat die folgenden Funktionen übernehmen:

Grundlage für die eigene Argumentation

Sozusagen als „wissenschaftliche Rückendeckung“ (Vgl. Handreichung der Fachhochschule Nordwestschweiz) kann eine These durch ein passendes Zitat (a) belegt bzw. (b) untermauert oder (c) durch etablierte Forschungsbeiträge etabliert werden.

Beispiele: (a) Hilde Spiel trifft es auf den Punkt, indem sie feststellt, dass sich „In Kästners Spiegelfigur […] eine mitteleuropäische Generation [spiegelte]. Sein Fabian war der Schlüssel zu einer ganzen Epoche“ (Spiel 1989, S. 300).

 

(b) Auch die Erzählforschung sieht in der „Passivität der Märchenbraut […] reale Entsprechungen in der Rolle der F[rau] nach früh[mittelalterlicher] Eheauffassung“, in der die Frau wehrlos gegenüber männlicher Violenz zeitlebens bevormundet ist (Ranke 1987, S.111).

 

(c) Dies ist auch bei Johannes Pankau (2012), Helmut Lethen (1970), Walter Delabar (1989) und Melanie Möllenberg (2008) nachzulesen.

Abgrenzung zur eigenen Argumentation

Wissenschaftliche Positionen können stärker kontrastiert werden, und der eigenen Argumentation mehr Gewicht gegeben werden, indem Zitate mit einer gegenteiligen Argumentation herangezogen werden.

Beispiel: Da in der Literatur der Neuen Sachlichkeit weibliche Figuren viel diskutiert sind, weil sie „das sachliche Prinzip am nachdrücklichsten verkörpern“ (Jürgs 1996, S. 196), nimmt diese Arbeit Abstand von der Darstellung der literarischen Medialisierungen der „Neuen Frau“ und konzentriert sich stattdessen darauf, den „Neuen Mann“ der Neuen Sachlichkeit in Erich Kästners Fabian aufzuspüren.

Textbausteine

Ein Zitat kann oft die treffendere Formulierung sein, um sich eine eigene, vielleicht umständlichere Wortwahl zu ersparen:

Beispiel: Als „typischer neusachlicher Berichterstatter“ (Müller 2008, S. 143) gibt er das Beobachtete objektiv und wertfrei wieder, da er vom Standpunkt eines Außenseiters erzählt.

Aus Primärliteratur

In Geistes- bzw. Sprach- und Literaturwissenschaften gehört es dazu, aus Primärliteratur – beispielsweise aus Romane, Erzählungen oder Gedichten – zu zitieren, um die Textstellen anschließend zu analysieren und zu interpretieren. Oder anders herum: Um eine Aussage mit einer entsprechenden Textstelle zu belegen.

Beispiel: Hierbei handelt es sich erneut um eine Parallele zum Brief an den Vater, in dem Kafka den Vorwurf seines eigenen Vaters darin sieht, unbehelligt „in Saus und Braus“ zu leben (URTEIL S. 143): „Seit jeher machtest Du mir zum Vorwurf […] daß ich dank Deiner Arbeit ohne alle Entbehrungen in Ruhe, Wärme, Fülle lebte.“ (URTEIL S. 168).

Zitate in Fußnoten

Zitate sind oft dann in Fußnoten untergebracht, wenn es sich um weiterführende Hinweise, Verweise auf andere Texte, Kommentare oder zusätzlich zu erwähnende Textstellen handelt, die im Fließtext keinen Platz finden.

Beispiele: In einer Notiz an seinen Freund Max Brod veranlasste Franz Kafka diesen sogar dazu, seinen literarischen Nachlass „restlos und ungelesen zu verbrennen“ (Brod 1989, S. 365).

Vgl. hierzu Dietz (1990, S.60). Hierin heißt es, dass es die „geglückte poetisch-kühne Verwendung und Mischung, die zugleich klassische wie gestisch-metaphorisch überhöhende Sprache“ ermöglicht, zahlreiche Stofflichkeiten aufzudecken.

Wichtige Grundregeln beim Zitieren in der Bachelorarbeiten

Auch wenn die Arten und Funktionen von Zitaten geklärt sind, stellen sich oft im Detail noch Fragen: Wie geht man mit offensichtlichen Rechtschreibfehlern in Zitaten um, wie lang kann bzw. darf ein Zitat sein, darf man „aus zweiter Hand“ zitieren? Auf diese Fragen gibt es im Folgenden eine Antwort.

Kennzeichnung von Rechtschreibfehlern, Auslassungen oder Hinzufügungen

Wie bereits erwähnt, müssen Zitate mit allen ihren Eigenheiten übernommen werden. Dazu gehören nicht nur Hervorhebungen (Fett- und Kursivdruck, Unterstreichungen usw.), sondern auch Orthographie- und Rechtschreibfehler. Begegnet man solchen Fehlern, sollte man den Leser mit dem lateinischen Wort „sic“ und einem Ausrufezeichen, beides in eckigen Klammern, darauf hinweisen ([sic!]).

Geht man mit älterer Forschungsliteratur um, kann es beispielsweise sein, dass man über alte Rechtschreibregelungen stolpert (z.B. „ß“ statt „ss“). In der Regel ist es nicht nötig, dies als Fehler zu kennzeichnen, da das Erscheinungsjahr der Quelle bekannt ist. Doch auch hier kann eine Kennzeichnung durch das Wort „sic!“ vorgenommen werden, es ist aber eher unüblich und auch aus praktischen Gründen nicht nötig.

Wenn man ein Zitat in einen Satz einbettet, kann es sein, dass Auslassungen oder Hinzufügungen nötig sind, um eine Aussage verständlich zu formulieren. Auslassungen werden durch drei Punkte in runden Klammern (…) gekennzeichnet, Hinzufügungen setzt man in eckige Klammern. Diese müssen zusätzlich durch ein Komma und die eigenen Initialen des Verfassers ergänzt werden: [hinzugefügter Text, M.M.]. Wichtig ist, dass der Sinn des zitierten Textes weder durch eine Auslassung noch durch eine Hinzufügung verändert wird.

Länge von Zitaten

Über die Länge von Zitaten beim Schreiben der Abschlussarbeit kann man keine pauschale Aussage treffen. Hierbei sollte man selbst entscheiden, ob ein wörtliches Zitat notwendig ist, nur prägnante Aussagen oder Begriffe zitiert werden sollten, oder nicht sogar eigene Worte die bessere Wahl sind. Es ist lediglich festgelegt, dass ein Zitat, sollte es im Fließtext die Länge von drei Zeilen überschreiten, von diesem abgegrenzt werden muss. Für die bessere Lesbarkeit wird das Zitat im Blocksatz und eingerückt dargestellt (siehe Abbildung 1).

Abb. 1 Zitate im Blocksatz

Layout von Zitaten

Das Layout beim Zitieren in der Bachelorarbeit hängt von den Vorgaben des Instituts bzw. der Fakultät ab. Dieses legt sowohl die Zitierweisen, als auch die Schriftgröße, den Zeilenabstand und die Formatierung von Zitaten fest, die ihrer Länge wegen vom Fließtext abgesetzt werden müssen. In der Regel ist der Fließtext einer wissenschaftlichen Arbeit in der Schriftgröße 12 mit einem Zeilenabstand von 1,5 verfasst. Längeres Zitieren in der Bachelorarbeit ab drei Zeilen steht dann meistens in einer kleineren Schriftgröße, im Blocksatz und mit einem einzeiligen Zeilenabstand vom Text abgesetzt sowie vom Seitenrand eingerückt (siehe Abbildung 1).

Geht es um Zitate im Fließtext, gibt es ebenfalls am Institut bzw. der Fakultät geläufige Zitierweise – in den Geisteswissenschaften unterscheidet man den Harvard-Stil), den Chicago Manual of Style oder den MLA Style. Es gibt auch andere, weniger herkömmliche Gebrauchsweisen sowie die Möglichkeit, ausschließlich mit Fußnoten zu arbeiten.

Zitate in Zitaten

Zitate in Zitaten sind eine schwierige Angelegenheit. Es kann sein, dass man bei der Lektüre eines Textes über ein Zitat stolpert, dass man für seine eigene wissenschaftliche Arbeit verwenden will, allerdings keinen Zugang zu der zitierten Literatur hat. Solche Zitate aus „zweiter Hand“ sollte man vermeiden – schließlich gibt es in der Regel genügend Möglichkeiten, an die Originalquelle zu kommen, um die es geht.

Kommt man jedoch nicht umhin, sollte man Zitate mit dem Hinweis „zitiert nach:“ kennzeichnen. Dabei sollte man nichtsdestotrotz alle bibliographischen Angaben zusammen im Literaturverzeichnis verwalten (Vgl. Kornmeier, S.126 f.)

Beispiel: Hans Mustermann 1956, S. 22, zitiert nach: Erika Mustermann 2017, S. 102.

Das Zitieren in der Bachelorarbeit sollte nicht als Hürde wahrgenommen werden, die man aus Unwissenheit über die Grundlagen des Zitierens oder aus Bequemlichkeit umgeht. Die Gefahr eines Plagiats, bei dem die Grenzen zwischen eigenem und fremden Gedankengut verschwimmen oder nicht mehr existieren, ist dafür zu groß. Stattdessen sollte das Zitieren in der Bachelroarbeit als „Sport, Spiel oder Herausforderung“ begriffen werden, dass die Kreativität fördert (Wolf 2013, S. 229). Eine Bachelorarbeit, die auf dieser Grundlage verfasst ist, wird so nicht nur zu einem wissenschaftlich fundierten Forschungsbeitrag, sondern auch zu einer interessanteren Lektüre.

Literatur

Bänsch, Axel/Alewell, Dorothea (2013): Wissenschaftliches Arbeiten, 11. aktualisierte und überarbeitete Aufl., Oldenburg.

Kornmeier, Martin (2007): Wissenschaftstheorie und wissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung für Wirtschaftswissenschaftler, Heidelberg.

Lehmann, Günter (2008): Wissenschaftliche Arbeiten zielwirksam verfassen und präsentieren, 2. Überarbeitete Aufl., Renningen.

Theisen, Manuel René (2017): Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, München.

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