Von der Prüfung zur Bachelorarbeit mit einer guten Lernmethode

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Es ist ein Phänomen, das wohl den meisten Studierenden bekannt ist: Kaum naht die Prüfung, scheint bereits Gelerntes wie durch Geisterhand über Nacht zu verschwinden. Neue Inhalte wollen sich nur noch schwer einprägen. So manch einer ertappt sich während dieser Zeit dabei, alles Mögliche in Angriff nehmen zu wollen – vom längst überfälligen Auswischen der Schränke bis hin zum Putzen des Kellers – nur, um den Kopf bloß nicht wieder in die ungeliebten Bücher und Manuskripte stecken zu müssen.

Eine Problematik, die später auch wieder beim Schreiben der Abschlussarbeit auftauchen kann. Die Folge: Man ist unkonzentriert und nervös, und hat das Gefühl, permanent mit dem Stoff oder der Arbeit hinterherzuhinken. Die Angst, zu versagen, wächst. Schuld an dieser gefühlten Überforderung kann mitunter die falsche Lernmethode sein. Denn wer sein Studium erfolgreich bewältigen möchte, braucht gezielte Lern- und Arbeitstechniken. Wir erklären, welche Techniken funktionieren, damit man sie später auch auf andere Bereiche anwenden kann.

Die verschiedenen Lerntypen

Doch welche Strategie ist nun die beste? Arbeitet es sich am besten kurz vor der Prüfung? Nicht wenige Studierende schwören schließlich genau auf diesen zeitlichen Druck als Motivationshilfe. Doch funktioniert das wirklich? Große Mengen an Wissensinhalten kurzfristig in sich reinstopfen, von denen das meiste nach der Prüfung wieder vergessen sein wird? Bulimie-Lernen statt Verstehen? Das passt nicht zum wissenschaftlichen Arbeiten, das man im Studium lernt.

Um diese Fragen adäquat beantworten zu können, ist es zunächst einmal von Bedeutung, sich mit den vier verschiedenen Lerntypen auseinanderzusetzen. Nur wer weiß, welcher Lerntyp er ist, ist dazu imstande, gezielte Strategien zu entwickeln, um das benötigte Wissen dauerhaft zu verankern. Die Unterscheidung nach verschiedenen Lerntypen geht auf Frederic Vester zurück, der bereits Mitte der siebziger Jahre auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht hat (Vgl. Fleuchaus 2012: 7f.). Er grenzt folgende Lerngruppen voneinander ab:

  • Visueller Lerntyp
  • Auditiver Lerntyp
  • Motorisch-haptischer Lerntyp
  • Abstrakt-verbaler Lerntyp

Visueller Lerntyp

Der visuelle Lerntyp braucht eine Lernmethode, bei der er Inhalte über das Auge aufnimmt. Informationen fasst er am liebsten in Bilder zusammen, um sie abzuspeichern. Lerninhalte kann er sich besonders gut einprägen, wenn er sie in Form von Bildern präsentiert bekommt oder Grafiken und Tabellen erstellen kann. Bei ihm stehen das Lesen und das Beobachten von Handlungsabläufen im Vordergrund.

Auditiver Lerntyp

Der auditive Lerntyp erzielt die besten Ergebnisse mit einer Lernmethode, wenn er den Wissensinhalt über das Sinnesorgan Ohr aufnimmt. Er bevorzugt gesprochene Lerninhalte, arbeitet mit Geräuschen und Musik. Dieser Lerntyp hat ein besonders ausgeprägtes Gespür für Rhythmus und Tonlage. Beim Lernen empfiehlt es sich für ihn, auf Hintergrundmusik komplett zu verzichten und sich den Stoff immer wieder laut vorzusagen. Alternativ kann er mit einer Audio-Transkription arbeiten, um einen Stoff zu lernen.

Motorisch-haptischer Lerntyp

Der motorisch-haptische Lerntyp hingegen muss den Lernstoff buchstäblich fühlen. Er benutzt am liebsten seine Hände und den Tastsinn, um etwas zu erfahren. Für ihn ist es am besten, wenn er sich aktiv in den Lernprozess einbindet. Auch praktische Vorführungen sind geeignet, um Wissen effizient verarbeiten zu können. Das Online-Lernen ist für ihn nicht gut geeignet, da er die präsentierten Informationen hierbei nicht anfassen kann und dieses Lernen somit seiner Lernmethode widerspricht.

Abstrakt-verbaler Lerntyp

Der abstrakt-verbale Lerntyp speichert Informationen ab, indem er über sie nachdenkt und sich kritisch mit ihnen auseinandersetzt. Diesem Lerntyp fällt es leicht, sich sowohl mündlich wie auch schriftlich auszudrücken. Die beste Lernmethode ist für ihn die, bei der er sich den Lernstoff selber laut erklärt und er Reime, Merksätze und Thesen verwendet.

Natürlich existieren diese Lerntypen selten in Reinform, häufig gibt es Überschneidungen.

Selbstmotivation

Wer herausgefunden hat, welches Sinnesorgan ihm am meisten beim Lernen hilft, ist also einen entscheidenden Schritt weiter. Nun geht es darum, sich dauerhaft selber zu motivieren, damit sich Lernerfolge auch langfristig einstellen können. Als Erstes gilt: Aufrichtiges Interesse und Begeisterung für das eigene Studienfach sind immer hilfreich, wenn es darum geht, sich zum Lernen zu motivieren! Sich noch einmal ganz bewusst an die Gründe für die Wahl des Studienfachs zu erinnern, führt möglicherweise zu einem ganz neuen Antrieb. Das permanente Gefühl, zu müssen anstatt zu wollen, erschwert tendenziell den Griff zu den Büchern.

Darüber hinaus sollte man sich realistische Ziele setzen. Studierende, die in zwei Stunden zehn Kapitel lernen möchten, um anschließend noch Feiern zu gehen, provozieren zwangsläufig eine Situation, in der die Motivation flöten geht. Es ist ratsam, sich Ziele zu setzen, und diese dann wiederum in mehrere kleinere Unterziele aufzuteilen. Jemand, der also beispielsweise drei Themenblöcke in einer Woche abarbeiten möchte, kann sich das Unterziel setzen, an zwei Tagen mit einem Themenbereich fertigzuwerden.
Auch das regelmäßige Treffen mit einer Lerngruppe wirkt sich bisweilen positiv auf die Motivation aus. Der Austausch mit anderen erweitert nicht nur den eigenen Horizont, er liefert zudem das mitunter beruhigende Gefühl, nicht allein zu sein.

Zu guter Letzt sollte man Folgendes nicht vergessen: Wer sich nach einer produktiven Lerneinheit belohnt – mit einem freien Abend beispielsweise – schafft beste Voraussetzungen, sich auch zukünftig gerne wieder an den Schreibtisch zu setzen.

Zeitmanagement

Ein gutes Zeitmanagement liefert das Fundament für erfolgreiches Lernen. Jemand, der erst am Ende des Semesters anfängt, sich intensiv mit dem Stoff zu beschäftigen, bringt sich unnötig in Schwierigkeiten. Besonders effektiv ist es, zwischen einer Langzeitplanung, einer Kurzzeitplanung und der Tagesplanung zu unterscheiden. Es empfiehlt sich, nicht nur einen Gesamtplan für das Lernen zu erstellen, sondern einzelne Wochenpläne. Es ist außerdem sinnvoll, den Stoff von Lehrveranstaltungen möglichst binnen 48 Stunden nachzubereiten (Echterhoff/Neumann 2009: 79).

Überdies ist es wichtig, Zeitpläne nicht im luftleeren Raum zu planen, sondern stets an den eigenen Lebensalltag anzupassen. Potentielle Zeitfresser sollten beseitigt werden. Während des Lernens ist das Checken von E-Mails und das Surfen im Internet tabu. Daher ist es am besten, das Smartphone, iPhone etc. aus dem Lernraum zu verbannen. Generell gilt: Man sollte nicht nur Zeit fürs Lernen einplanen, sondern auch für die Dinge des Alltags, wie zum Beispiel den Nebenjob, den Haushalt und – Pausen.

Mnemo-Techniken als Lernmethode

Eine Möglichkeit, sich das Lernen zu erleichtern, ist das Zurückgreifen auf die sogenannten Mnemo-Techniken. Der Begriff Mnemo stammt aus der griechischen Mythologie. Mnemosyne ist die Göttin des Gedächtnisses (Gröning 2011: 4). Hierbei nutzt man bildhaftes Denken, um große Mengen an Fakten verarbeiten zu können. Als Beispiel sei auf folgende Methoden hingewiesen:

Loki-Technik: Hierbei merkt sich der Studierende Namen oder Objekte, indem er diese mit einer Folge von Orten assoziiert, die ihm vertraut sind (beispielsweise den Weg zur Uni). Um die gelernten Informationen anschließend abrufen zu können, muss er den Weg nun mental entlanggehen, und das Objekt finden, das er mit dem jeweiligen Ort verbunden hat.

Die Ersatzwort-Methode: Diese Methode eignet sich besonders gut für das Erlernen von Fachbegriffen, Namen oder eine Fremdsprache. Wörter, die man sich merken möchte, verbindet man gedanklich mit vertrauten Begriffen, die ähnlich klingen (So klingt beispielsweise das englische Wort für Mäuse, mice, wie das deutsche Mais. Wer sich nun an die englische Übersetzung erinnern möchte, braucht nur an das Maisfeld zu denken, in dem sich Mäuse tummeln). Weitere Hinweise zu Studientechniken und der perfekten Lernmethode geben die Tipps der Universität Bielefeld.

Doch was ist, wenn sich trotz diverser Studientechniken Lernblockaden einschleichen und Selbstzweifel bleiben?

Lernblockaden vermeiden

Treten trotz aller Vorbereitung und Planung zwischenzeitlich Lernblockaden auf, so ist das kein Grund zur Panik. Häufig hilft es schon, ganz bewusst Pausen einzulegen und sich mit etwas anderem zu beschäftigen. Das zehnstündige Brüten über den Büchern, provoziert zwangsläufig mangelnde Aufnahmefähigkeit. Grundsätzlich gilt: Jede Art der Informationsüberflutung kann zu Lernstörungen führen.

Halten Konzentrationsschwierigkeiten über einen längeren Zeitraum an, verschaffen Entspannungstechniken zuweilen Abhilfe. Die Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jakobson nutzt die bewusste An- und Entspannung von bestimmten Muskelgruppen, um einen Zustand tiefer Entspannung zu erreichen. Dazu spannt man in einer festgelegten Reihenfolge nacheinander gewisse Muskelgruppe, hält die Spannung kurz, ehe man sie wieder löst (Vgl. Neuburger 2009: 173). Auch Autogenes Training oder das Ersetzen negativer Gedanken durch positive können Lernhemmnisse beseitigen. Nähere Informationen zum Thema Prüfungsangst liefern die Ratschläge der Freien Universität Berlin.

Ob man es nun wahrhaben möchte oder nicht: Lernen gehört zu jedem Studium dazu. Doch sich unnötig über den Büchern quälen, muss niemand. Lernen ist ein komplexer Prozess. Jeder lernt anders, und häufig merkt man erst an der Hochschule, dass die eigene Lernmethode ausbaufähig ist. Doch mit den richtigen Tipps gelingt es, sich die geforderte Stoffmenge schneller und effizienter einzuprägen.

Setzt man sich außerdem früh mit Lern-und Arbeitstechniken auseinander, hat man das konzentrierte Arbeiten bereits drauf, wenn es um die Bachelorarbeit geht. Aufwendige Literaturrecherche und monatelanges Sitzen am Schreibtisch ist dann immer noch nicht angenehmen, führt aber nicht mehr zu Schreibblockaden und völliger Frustration.

Literatur

Echterhoff, Gerald/Neumann, Birgit (2009): Projekt- und Zeitmanagement. Strategien für ein erfolgreiches Studium, Stuttgart.

Fleuchaus, Anja (2012): Der Umgang mit unterschiedlichen Lerntypen an einer Wirtschaftsschule. Empfehlungen für den Mathematikunterricht, Hamburg.

Gröning, Ilona (2011): Bergedorfer© Methodentraining: Mnemotechniken, Buxtehude.

Neuburger, Rahild (2009): Lernblockaden bewältigen. Entspannung lernen und Leistung steigern. Die erfolgreichsten Tipps, Methoden und Strategien, München.

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