Die Bachelorarbeit im Unternehmen: Vorteile, Nachteile und Tipps

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Eine Bachelorarbeit im Unternehmen ist im besten Fall eine Win-Win-Situation: Der Student hat bereits ein Thema für die Abschlussarbeit und kann gleichzeitig Berufserfahrung sammeln, das Unternehmen erhält wertvolle Forschungsergebnisse. Doch man muss dafür erst einmal ein passendes Unternehmen finden und über mögliche Nachteile Bescheid wissen.

Wer kann seine Bachelorarbeit im Unternehmen schreiben?

Die meisten Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die Studenten für Bachelorarbeiten suchen, sind im technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich tätig. Auch jemand, der Informatik oder Betriebswissenschaften studiert, hat meist eine große Auswahl an geeigneten Firmen (vgl. Schütz/Röbken 2016: 1).

Anders sieht es da bei pädagogischen oder geisteswissenschaftlichen Studiengängen aus. Doch auch hier gibt es Ausnahmen und interessante Angebote. Denn manchmal vergeben Museen, Politik-Institute oder Bildungseinrichtungen Themen für Abschlussarbeiten.

Allerdings sollte man zunächst abklären, ob eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen für die Bachelorthesis überhaupt erlaubt ist. Denn manche Hochschulen haben hierfür strikte Regelungen. Wer vorhat, seine Bachelorarbeit im Unternehmen zu schreiben, sollte also zunächst einen Blick in seine Prüfungsordnung werfen.

Zudem sollte man darauf achten, dass das vorgegebene Thema des Unternehmens tatsächlich zu den Inhalten des Studienganges passt und man an seiner Hochschule einen Betreuer mit entsprechendem Forschungsschwerpunkt findet. Mit diesem sollte man frühzeitig Kontakt aufnehmen und ihn nicht vor vollendete Tatsachen stellen (vgl. Schmidt 2013: 93).

Was sind die Vorteile einer außeruniversitären Abschlussarbeit?

Wer sich dazu entscheidet, seine Bachelorarbeit im Unternehmen zu schreiben, steigert damit seine Berufschancen unter Umständen erheblich. Für einige ist diese Kooperation sogar der erste Schritt beim Einstieg ins Unternehmen, denn ihnen wird im Anschluss ein Stellenangebot gemacht (vgl. Schmidt 2013: 44f.).

Doch selbst wenn das nicht der Fall ist, sammelt man wertvolle Erfahrungen für die Zukunft. Schließlich arbeitet man über mehrere Monate hinweg in einem Unternehmen, lernt dort die Abläufe kennen und erhält interessante Einblicke.

Statt für die Bachelorarbeit alleine in der Bibliothek zu recherchieren, hat man Kollegen oder ist sogar in ein Team eingebunden. Solche Kontakte können später so manche Tür öffnen (vgl. Schmidt 2013: 103). Das sind alles Pluspunkte, die bei späteren Bewerbungen die Chancen erhöhen.

Für viele ist eine externe Abschlussarbeit außerdem attraktiv, da das Thema einen praktischen Bezug hat und später oft direkt Anwendung findet. Denn in der Regel erwarten die Unternehmen, dass sich mithilfe der Ergebnisse der Thesis Arbeitsprozesse effektiver gestalten lassen. Diese Aussicht kann ein zusätzlicher Ansporn sein.

Bei theoretischen Abschlussarbeiten dagegen landen diese oft nach der Abgabe in einer Schublade und verstauben. Man hat das Gefühl, dass man für niemand anderen als den Gutachter schreibt. Das ist wenig motivierend.

Welche Nachteile gibt es bei einer Bachelorarbeit in einem Unternehmen?

Das größte Problem bei einer externen Abschlussarbeit ist, dass man als Student zwei Seiten gleichzeitig gerecht werden muss: Zum einen ist da das Unternehmen. Auf der anderen Seite steht die Hochschule mit dem Betreuer beziehungsweise Gutachter und ihren ganz eigenen Vorstellungen vom wissenschaftlichen Arbeiten (vgl. Schmidt 2013: 106 sowie Schütz/Röbken 2016: 3). Wie soll man die Arbeit formatieren? Welche Regeln gelten bei der Erstellung von Grafiken und Tabellen? Welche Vorgaben gibt es für die Zitation und spielt das eine Rolle bei einer Plagiatsprüfung?

Das Thema, das das Unternehmen vorgibt, entspricht in manchen Fällen nicht den Vorgaben der Hochschule (vgl. Hug/Lederer/Perzy/Poscheschnik 2014: 29). Hinzu kommt, dass Unternehmen oft nicht wollen, dass firmeninterne Informationen öffentlich gemacht werden, sodass sie und fordern einen Sperrvermerk fordern, um ihre Daten zu schützen (vgl. Haines 2009: 123).

Um dann einen Kompromiss zu finden, muss man den Ansprechpartner im Unternehmen und den Betreuer an der Universität am besten bei einem gemeinsamen Gespräch an einen Tisch holen. Regelmäßige Rücksprachen mit beiden Seiten sind daher unerlässlich.

Bei einer Bachelorarbeit im Unternehmen ist also viel Vermittlungsarbeit gefragt, um eine gute Note zu erhalten und gleichzeitig einen guten Eindruck beim Vorgesetzten im Unternehmen zu hinterlassen (vgl. Hirsch-Weber & Scherer 2016: 13). Wenn das nicht gelingt, kann die Zusammenarbeit scheitern.

Ein weiterer Nachteil ist der Zeitfaktor: Denn man muss damit rechnen, dass man für eine Bachelorarbeit länger braucht, als ursprünglich vorgesehen und sich dadurch Probleme mit der Abgabefrist oder Regelstudienzeit ergeben. Bereits für die Bewerbungen sollte man eine gewisse Zeit einplanen (vgl. Hirsch-Weber & Scherer 2016: 13).

Zudem erwarten manche Unternehmen, dass man länger bei ihnen arbeitet als nur drei bis vier Monate und binden einen so intensiv in die Arbeitsläufe ein, sodass man nicht genügend Zeit hat, an der Bachelorarbeit zu schreiben (vgl. Schmidt 2013: 88)

Wie wird ein solches Arbeitsverhältnis bezahlt?

Für viele ist es ein deutlicher Vorteil einer Bachelorarbeit im Unternehmen, dass man dafür auch bezahlt werden kann. Doch dies ist nicht die Regel, denn es gibt keine arbeitsrechtlichen Vorgaben oder Tarifverträge, die die Höhe der Bezahlung (Siehe dazu den Blog der Technischen Universität Chemnitz) regeln. Wer Pech hat, bekommt keinen Cent für seine Arbeit.

Im Durchschnitt kann man allerdings laut Karriere,de, dem Portal des Handelsblattes und der WirtschaftsWoche, mit einer Vergütung von 690 Euro rechnen. Wichtig ist, dass man auf einen Vertrag besteht, der die Bedingungen des Arbeitsverhältnisses schriftlich festhält und auf den man sich im Notfall berufen kann. Dort sollte dann auch stehen, ob eine Entlohnung vorgesehen ist.

Viele Unternehmen stellen einen für diese Zeit als Praktikanten oder Werkstudenten ein. Manche zahlen nach einer erfolgreichen Bachelorarbeit auch eine Prämie aus. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn man Verbesserungsvorschläge erarbeitet hat, durch die das Unternehmen Geld sparen kann.

Man sollte allerdings aufpassen, wenn man noch BAföG erhält. Übersteigt das Gehalt eine Summe von durchschnittlich 451 Euro im Monat, können die Leistungen gekürzt werden. Auch die Beiträge für die Krankenversicherung können steigen, wenn man zu viel verdient.

Wie findet man für seine Bachelorarbeit das passende Unternehmen?

Den besten Überblick über entsprechende Angebote verschiedener Unternehmen bieten Internetportale, die sich auf Bachelorarbeiten oder andere Stellen für Studierende spezialisiert haben. In den Anzeigen steht das Thema für die Bachelorarbeit und man kann sich darauf bewerben. Beispiele hierfür sind die Seiten von www.die-bachelorarbeit.de, oder www.absolventa.de.

Wer natürlich schon seit einigen Semestern als Werkstudent in einem Unternehmen arbeitet, kann direkt dort anfragen, ob die Möglichkeit einer Zusammenarbeit für die Bachelorthesis besteht. Die Chancen, dass es klappt, sind hier hoch, da es keine direkten Mitbewerber gibt.

Wer bereits ein bestimmtes Thema ins Auge gefasst hat und dafür noch das passende Unternehmen sucht, kann zunächst im Internet nach den zuständigen Ansprechpartnern recherchieren und dann direkt auf sie zugehen (vgl. Schmidt 2013: 57).

Wenn man seine Bachelorarbeit in einem Unternehmen schreiben will, sollte man zuvor alle Vor- und Nachteile abwägen. Wer allerdings frühzeitig auf die Suche geht und sich auch rechtzeitig mit seinem Betreuer an der Hochschule bespricht, hat die größten Herausforderungen schnell im Griff.

Literatur

Haines, Maria (2009): ABC der wissenschaftlichen Abschlussarbeit, Paderborn.

Hirsch-Weber, Andreas/Scherer, Stefan (2016): Wissenschaftliches Schreiben und Abschlussarbeit in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Grundlagen – Praxisbeispiele – Übungen, Stuttgart.

Hug, Theo/Lederer, Bernd/Perzy, Anton/Poscheschnik, Gerald (2014): Empirisch forschen, 2. Aufl., Konstanz/München.

Schmidt, Olaf (2013): Die Abschlussarbeit im Unternehmen schreiben, Konstanz/München.

Schütz, Marcel/Röbken, Heinke (2016): Bachelor- und Masterarbeiten verfassen. Abschlussarbeiten in Organisationen, Berlin/Heidelberg.

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