Wie kann man die eigene Lesegeschwindigkeit steigern?

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Die meisten Studierenden lesen so, wie sie es in ihrer Kindheit gelernt haben: Wort für Wort. Das ist oft aber gar nicht effektiv. Im Studium kommt zudem häufig viel Fachliteratur zusammen, die man lesen und bearbeiten soll. Wer hier schnell lesen kann, hat einen klaren Vorteil. Aber keine Sorge: Die Lesegeschwindigkeit ist nicht von Natur aus festgelegt, sondern lässt sich trainieren.

Was ist eine gute Lesegeschwindigkeit?

Jeder Mensch liest unterschiedlich schnell. Wer schon als Kind und Jugendlicher viel gelesen hat, wird ein recht schnelles Tempo entwickelt haben. Wenn jemand aber einfach nicht gerne liest, fehlt ihm die Routine.

Die Lesegeschwindigkeit wird in Wörtern pro Minute gemessen. Ein durchschnittlicher Leser schafft rund 200 bis 300 Wörter pro Minute. Wer nur sehr selten liest, kann auch unter diesem Wert legen. Gute Leser schaffen 400 Wörter in der Minute, sehr schnelle Leser kommen sogar auf bis zu 1000 Wörter (Kuhn, 2011).

Schnell lesen und mehr verstehen

Man könnte annehmen, dass jemand, der schnell liest, einen Text nur oberflächlich aufnimmt. Das stimmt aber nicht. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Wer schnell liest, der ist konzentriert bei der Sache. Bei langsamen Lesern drohen die Gedanken hingegen oft abzuschweifen.

Schnelles Lesen ist in erster Linie eine Frage der Technik. Dabei spielen beispielsweise die Augenbewegungen eine Rolle und die Frage, wie viele Buchstaben und Wörter man auf einmal aufnehmen kann. Die Geschwindigkeit, in der das Gehirn Informationen verarbeitet, ist hingegen weniger entscheidend.

Das Geheimnis einer hohen Lesegeschwindigkeit

Das Geheimnis beim schnellen Lesen ist es, Wörter nicht Buchstabe für Buchstabe und Silbe für Silbe zu erfassen. Auch ganze Sätze lesen schnelle Leser häufig nicht Wort für Wort, sondern nehmen sie als Sinnzusammenhänge wahr (Schmitz/Hasse/Sösemann, 2013).

Man trainiert für schnelleres Lesen also, mehrere Wörter mit einem Blick zu erfassen und auf Zusammenhänge zu schließen (Peirick, 2015). Dazu ist das Gehirn durchaus in der Lage. Das zeigt beispielsweise der folgende Satz:
„Man knna achu diense Sazt leesn, wile dsa Gheirn den Zusammnhng ekrnnt“

Die Augenbewegung trainieren

Im Alltag nutzt man meistens gar nicht primär die Augen, um Gegenstände am Rand des Blickfeldes zu fokussieren. Stattdessen bewegt man den Kopf, um den Augen die Arbeit zu erleichtern. Will man die Lesegeschwindigkeit erhöhen, ist es aber hilfreich, wenn die Augen mehr aufnehmen können (Kuhn, 2011).

Das kann man auf einfache Weise im Alltag trainieren. Es hilft, mit den Augen mehrmals am Tag so weit wie möglich nach rechts und links zu blicken, ohne dabei den Kopf zu drehen. Auf diese Weise kann man die Spannweite des Blickes auch für Texte erhöhen.

Sich einen Überblick über die Struktur verschaffen

Wer selten mit wissenschaftlichen Texten gearbeitet hat, der neigt dazu, Fachartikel von vorne bis hinten zu lesen. Das ist aber gar nicht immer sinnvoll. Oft benötigt man nicht alle Informationen, sondern lediglich bestimmte Abschnitte oder Kapitel (Peirick, 2015) und es reicht die Einleitung, das Fazit oder ein Abstract zu lesen.

Man sollte sich deshalb noch vor dem Lesen einen Überblick verschaffen: Wie ist der Text aufgebaut bzw. welche Gliederung hat er? Gibt es ei Inhaltsverzeichnis? Wie lauten die Zwischenüberschriften? Welche Forschungsfrage beantwortet er? Welche Inhalte sind wichtig? Erst danach sollte man mit dem Lesen beginnen. Die Teile, die unwichtig erscheinen, kann man dann entweder ganz auslassen oder lose überfliegen (Koch, 2015). Hierzu kann man sich außerdem Notizen machen, die es einem erleichtern, später zu verstehen wo man was gelesen hat. Dann wird die Zitation auch korrekt ausgeführt und man muss eine Plagiatsprüfung nicht fürchten.

Das innere Mitlesen vermeiden

Viele Menschen neigen dazu, innerlich „laut“ zu lesen: Was man liest, sagt man dabei innerlich vor sich hin. Das geht womöglich darauf zurück, dass man früher in der Schule Texte meistens laut vorgelesen hat.

Dieses „innere Lesen“ hemmt aber die Geschwindigkeit: Augen und Gehirn sind viel schneller (Schmitz/Hasse/Sösemann, 2013). Auch hier hilft es, Sinnzusammenhänge zu erfassen, statt einem Text Wort für Wort zu folgen. Deshalb steigert es das Tempo, wenn man sich das innere Mitlesen abgewöhnt (Vgl. auch die Materialien der Universität Würzburg).

Im Zweifel lieber zweimal lesen

Nicht jeder Text lässt sich beim ersten Lesen voll erfassen. Insbesondere wissenschaftliche Texte, die ein komplexes Thema behandeln, erschließt man sich häufig erst bei einem zweiten Lesen (Koch, 2015). Trotzdem sollte man deshalb nicht betont langsam lesen, wie etwas bei einem Lektorat der Bachelorarbeit.

Effektiver ist es, sich beim ersten Lesen ein Bild des Text und der Sinnzusammenhänge zu machen. Ein Teil des Inhalts bleibt schon beim ersten Lesen hängen (Schmitz/Hasse/Sösemann, 2013). Abschnitte, die nicht klar sind, kann man dann ein zweites Mal schnell lesen. Das ist deutlich effektiver als ein langsamer Lesedurchgang, der in der Regel auch nicht für das Verständnis ausreicht.

Die richtige Umgebung schaffen

Eine hohe Lesegeschwindigkeit trägt dazu bei, sich konzentrieren zu können. Dabei hilft ein Arbeitsumfeld, in dem so wenige Ablenkungen wie möglich auftreten (Siehe auch die Hinweise der Ludwig-Maximilians-Universität München). Man sollte also schon vor dem Lesen für Ruhe sorgen: Musik stört die Konzentration ebenso wie Mitbewohner oder Freunde, die die Arbeit ständig unterbrechen. Automatische Benachrichtigungen aus sozialen Netzwerken oder Nachrichten-Apps sollte man in dieser Zeit außerdem deaktivieren. Selbst wenn man nicht direkt reagiert, fordern sie Aufmerksamkeit.

Außerdem sollte immer gelten: Beim Lesen hat das Smartphone Pause. Man muss nicht jeden Begriff googeln, den man nicht versteht. Vieles lässt sich aus dem Kontext erschließen (Peirick, 2015).

Insgesamt auf seinen Körper achten

Für die Lesegeschwindigkeit ist es außerdem wichtig, dass man sich insgesamt fit fühlt. Wer müde oder mit Kopfweh einen Text zu verstehen versucht, wird dafür dann deutlich länger brauchen als an einem fitten Tag.

Deshalb sollte man insgesamt auf seinen Körper achten. Dazu zählen nicht nur eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf. Auch Phasen der Entspannung und regelmäßige Bewegung tun gut. Als besonders förderlich zur Stressbewältigung haben sich dabei Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren erwiesen.

Mit einigen Tricks lässt sich die Lesegeschwindigkeit also durchaus merklich beschleunigen. Insgesamt gilt außerdem: Je mehr man liest, desto mehr Routine entwickelt man dabei. Auch das trägt zu einer höheren Geschwindigkeit beim Lesen bei.

Literatur

Koch, Günther (2015): Speed Reading fürs Studium, 1. Auflage Stuttgart.

Kuhn, Birgit (2011): Lesetechniken optimieren: Schneller lesen – leichter merken. Die erfolgreichsten Tipps, Methoden und Strategien, 4. Auflage München 2011.

Peirick, Christian (2015): Rationelle Lesetechniken: Schneller lesen – mehr behalten, 5. Auflage Bad Honnef.

Schmitz, Wolfgang/Hasse, Friedrich/Sösemann, Britta (2013): Schneller lesen – besser verstehen. 5. Auflage Reinbek bei Hamburg.

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