Rechtschreibung für eine englische Thesis – Tipps und Tricks

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Wer im Schulfach Englisch mit guten Noten glänzen konnte, denkt gern, dass es leicht sei, auch gleich eine ganze Abschlussarbeit auf Englisch zu verfassen. Doch Achtung! An eine akademische Abhandlung werden andere Ansprüche gestellt als an einen Schulaufsatz. Der folgende Artikel gibt daher einen Überblick über die wichtigsten Tipps bei der Rechtschreibung für eine englische Thesis.

English, please! Nur welches?

Wer sich für eine englischsprachige Thesis entscheidet, sollte sich eines klar machen: Englisch ist nicht gleich Englisch! Bekanntlich wird zwischen dem amerikanischen (AE) und dem britischen Englisch (BE) unterschieden. Der Unterschied liegt dabei oft versteckt im Detail, beispielhaft zu erkennen an den verschiedenen Schreibweisen für das Wort „Farbe“ im amerikanischen („color“) und im britischen Englisch („colour“).

Manchmal geht es aber nicht nur um einzelne Buchstaben, sondern gleich um verschiedene Wortbedeutungen. Der Klassiker: Das Wort „rubber“ bedeutet im britischen Englisch ganz unschuldig „Radiergummi“. Im amerikanischen Englisch dagegen handelt es sich um eine verniedlichende Bezeichnung für Präservative, die sich etwa mit „Verhüterli“ ins Deutsche übersetzen lässt.

Nicht nur bei einem Muttersprachler als Prüfer können Fehler bei den Unterschieden zwischen britischem und amerikanischem Englisch peinlich werden. Als Autor sollte man sich die Unterschiede in den beiden Sprachvariationen daher stets vor Augen führen. Am besten spricht man sich schon im Vorfeld mit dem Betreuer ab. An manchen Hochschulen gibt es überdies allgemeine Empfehlungen, welches Englisch zu bevorzugen ist.

Hinweise zur Groß- und Kleinschreibung in der Bachelorarbeit

Ein besonderes Fettnäpfchen ist auch der Umgang mit der Groß- und Kleinschreibung. Üblicherweise wird im Englischen alles kleingeschrieben. Ausnahmen bilden jedoch die Überschriften. Hier gibt es verschiedene Modelle,:

  • Möglichkeit 1: Alle wichtigen Worte beginnen mit einem Großbuchstaben
    Diese Variante ist besonders im angelsächsischen Sprachraum gebräuchlich. Der besondere Vorteil liegt darin, dass dem Leser die wichtigen Inhaltselemente der Überschrift direkt ins Auge fallen. Als wichtig gelten demnach Substantive und Pronomen sowie Verben, Adverbien und Adjektive. Artikel (the, a, an), Präpositionen (by, for, in) oder Konjunktionen (and, or) dagegen bleiben klein.Möglichkeit 1
  • Möglichkeit 2: Alles außer dem ersten Buchstaben wird kleingeschrieben
    Hierbei handelt es sich um die vermutlich einfachste Methode, da Überschriften in diesem Fall wie der restliche Text zu handhaben sind. Entsprechend sind von der Kleinschreibung der Satzanfang sowie all jene Worte ausgenommen, die nach den üblichen Regeln der englischen Grammatik großgeschrieben werden müssen. Das betrifft z.B. Namen von Personen sowie von Organisationen oder Orten.Möglichkeit 2
  • Möglichkeit 3: Eine Kombination aus Möglichkeit 1 und 2
    Es ist auch möglich, beide Varianten miteinander zu kombinieren. Demnach kann man z.B. in einer Kapitelüberschrift die Großschreibung für alle wichtigen Schlagworte benutzen und in den Unterkapiteln klein fortfahren.
    Tatsächlich empfiehlt der APA Standard genau eine solche Kombination. In Überschriften der ersten sowie der zweiten Ordnungsebene – in diesem Beispiel also „Chapter 1“ sowie „Section 1.1“ – ist die Großschreibung entsprechend dem oben beschriebenen Modell (Möglichkeit 1) anzuwenden. Ab der dritten Ordnungsebene geht es, mit Ausnahme des ersten Buchstabens sowie den geltenden Ausnahmeregeln, klein weiter (Möglichkeit 2):Möglichkeit 3

Tipps zur Verwendung des, geben auch diese Hinweise der Technischen Universität München. Wie so oft beim wissenschaftlichen Arbeiten gilt aber vor allem eines zu beachten: Einheitlichkeit ist alles! Soll heißen: Egal für welchen Stil man sich entscheidet, wichtig ist am Ende eine konsequenten Umsetzung.

Punkt, Punkt, Komma, Strich? Zeichensetzung im Englischen

Zeichensetzung kann schon im Deutschen eine lästige Angelegenheit werden. Wer sich dann noch auf eine fremde Sprache einlässt, der muss bereit sein, sich deren ganz eigenen Regeln im Hinblick auf Punkt und Komma zu beugen.

Doch keine Sorge! Die englische Sprache ist speziell den verhassten Kommata nicht ganz so hörig wie die deutsche Sprache. Ein Beispiel: Ein Relativsatz der im Deutschen mit „dass“ beginnt, wird hierzulande durch ein Komma eingeleitet. Bei englischen Relativsätzen, die mit „that“ beginnen, gilt das nicht. Dafür wird z.B. in Aufzählungen vor „and“ ein Komma gesetzt, was wiederum im Deutschen unüblich ist (Mautner 2011: 175-192).

Rechtschreibung für eine englische Thesis

Man sollte sich das Leben nicht unnötig schwer machen. Besonders dann nicht, wenn alles so leicht sein könnte. Einer der sinnvollsten Rechtschreibtipps für die Thesis ist daher der folgende: Als Autor sollte man die Sprache im Schriftverarbeitungsprogramm zu Beginn auf Englisch umstellen. So vermeidet die Autokorrektur schon viele kleine Flüchtigkeitsfehler.

Außerdem wird das Programm somit ganz automatisch gewisse Anpassungen, etwa in der Formatierung, annehmen. Dies gilt zum Beispiel auch für die Anführungsstriche, die im Englischen allesamt oben (“…”) nach dem Prinzip 66 und 99 und nicht wie im Deutschen versetzt („…“) nach dem Prinzip 99 und 66 stehen.

Trotzdem kann ein Schreibprogramm dem Autor nicht alle Verantwortung abnehmen. Es lohnt sich daher schon mal im alten Schulwissen zu kramen, um sich z.B. den beliebten Merksatz „he, she, it – das ‚s‘ muss mit“ wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Weiterhin kann eine Rechtschreibprüfung keine Denkfehler des Autors erkennen und ausbessern. Entsprechend bleibt es dem Verfasser selbst überlassen, zu beachten, dass – sofern er einen Zitierstil wie etwa den Chicago Style nutzt – in einer englischsprachigen Arbeit kein „vgl.“ in die Fußnoten gesetzt werden darf. Stattdessen ist hier z.B. „see“ zu verwenden.

Im Zweifelsfall: Rat bei einem Muttersprachler suchen

Auch die besten Hinweise und Rechtschreibtipps für die Thesis kommen irgendwann einmal an ihre Grenzen. Wenn im Zweifelsfall dann nicht einmal mehr der Blick ins Wörterbuch hilft, bleibt allerdings noch die Option, Rat bei einem Muttersprachler zu suchen.

Dank der wachsenden Internationalität an deutschen Hochschulen sollte sich schnell jemand finden, der mit dem Auge eines „Native Speaker“ einen prüfenden Blick auf die eigene Thesis werfen kann. Und selbst wenn der eigene Freundes- oder Bekanntenkreis keine brauchbaren Kontakte in dieser Art hergibt, kann man immer noch ein professionelles Lektorat einer Bachelorarbeit auf Englisch nutzen.

Die gute Nachricht zum Schluss: Die Mühe, eine Seminararbeit oder sogar Bachelorarbeit oder Masterarbeit auf Englisch zu verfassen lohnt sich. Denn Englisch gilt derzeit als die beherrschende Sprache der Wissenschaft (Montgomery 2013: 11). Entsprechend sind sprachliche Kompetenzen unerlässlich, um seinen eigenen Platz in einer zunehmend internationalen Wissenschaft einnehmen zu können.

Bei der Erarbeitung einer englischsprachigen Thesis steckt der Teufel häufig im Detail. Neben einer konsequenten Entscheidung für das amerikanische oder britische Englisch, sollten Autoren sich insbesondere vor Flüchtigkeitsfehlern hüten. Dazu gehört im Besonderen die Anwendung deutscher Grammatik auf englische Texte, z.B. in der Zeichensetzung, sowie die Anpassung der Formatierung, etwa bei direkten Zitaten oder Belegen.

Literatur

Mautner, Gerlinde (2011): Wissenschaftliches Englisch: Stilsicher Schreiben in Studium und Wissenschaft (Studieren, aber richtig), 2. aktualisierte und erweiterte Auflage Konstanz/München.

Montogmery, Scott L. (2013): Does Science Need a Global Language?: English and the Future of Research, Chicago.

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